Abgasskandal : Volkswagens Durchdrehmoment

Volkswagen zerlegt sich. Die Reaktion: nackte Panik. Ob Krise in China, Schuldentragödie in Griechenland oder Flüchtlingsdebatte - Negativnachrichten verkaufen sich mit Vollgas. Jetzt also die Volkswagenhysterie. Plädoyer für eine Vollbremsung.
Anfang der Woche haben die Menschen in den Nachthimmel geblickt und begeistert einen blutroten Mond bestaunt. Irgendwo im Weltall, viel weiter entfernt als der Mond, schwebt ein unscheinbarer Asteroid. Ein deutscher Forscher hat ihn entdeckt und „Sophrosyne“, Besonnenheit, getauft. 142 Jahre sind seitdem vergangen – und irgendwann in diesem Zeitraum muss diese Tugend abhandengekommen sein. Von Besonnenheit ist Deutschland heute Lichtjahre entfernt: Die Auto-Nation ist seit zwei Wochen auf Speed, weil Volkswagen manipuliert hat und betrogen. VW ist nicht einfach irgendein Autokonzern. 600.000 Arbeitsplätze hängen an dem Wolfsburger Unternehmen, das wie kein zweites für deutsche Qualitätsarbeit und Verlässlichkeit steht. Wenn sich so ein Vorzeigekonzern in seine Einzelteile zerlegt, ist das atemberaubend. Aber es ist noch lange kein Grund für die Volkshysterie, die sich entfacht hat: Politiker, Aktienhändler, manche Medien und Volkswirte gießen Öl in das lichterloh brennende Feuer. Der Qualm, der so entsteht, vernebelt das Land mehr als jeder Dieselmotor dieser Welt.





