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Auf Schnäppchenjagd : Griechen in Australien investieren im Land der Ahnen

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Begehrt sind Ferienhäuser mit Meerblick Bild: dapd

In Australien leben etwa eine halbe Million Menschen mit griechischen Wurzeln. Viele dieser griechischen Australier sind nun auf der Suche nach Investments in der Heimat ihrer Vorfahren - in einer Mischung aus Vaterlandsliebe und Schnäppchenjagd.

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          Die Griechen zählen zu einer der größten Ausländergruppe in Australien. Etwa eine halbe Million Menschen mit griechischen Wurzeln leben dort. Melbourne ist nach dieser Rechnung die drittgrößte griechische Stadt - hinter Athen und Thessaloniki. Viele sind nun auf der Suche nach Investments in der Heimat in ihrer Vorfahren.

          Erleichtert wird das vom Kursanstieg des australischen Dollar seit Ende 2008 zum Euro um 66 Prozent. Paul Afkos, Leiter des Bergbau-Ausrüsters Afkos Industries nahe dem westaustralischen Perth, hat 18 Mill. australische Dollar (14,3 Mill. Euro) in ein Hotel in Nordgriechenland investiert, das im April eröffnet hat. „Ich betrachte es als eine Pflicht”, sagt der 59-jährige, der vor einem halben Jahrhundert sein Heimatland verlassen hat.

          Die Eröffnung seines Hotels hat er um acht Monate vorgezogen. „Ich kann nicht als Heuchler auftreten, der seinen griechischen Landsleuten nicht hilft”, sagte er, „ich wollte früher eröffnen, um den Leuten zu helfen, die einen Arbeitsplatz brauchen.” In Griechenland ist die Arbeitslosenquote mit 22 Prozent viermal so hoch wie in Australien.

          Der griechische Anwalt John Tripidakis, der eine Kanzlei in Athen hat und in Sydney und Melbourne arbeitet, beziffert den Anteil seiner Mandanten, die an Immobilienkäufen in Griechenland interessiert sind, auf rund die Hälfte. Noch vor zwei Jahren habe er bei weniger als zehn Prozent gelegen.

          „Sie suchen nach Schnäppchen”, erklärte er, „aber sie hängen noch immer an sentimentalen Kriterien wie dem Dorf ihres Vaters oder Großvaters.” Am begehrtesten seien Ferienhäuser am Strand oder Immobilien in Athener Vororten.

          In den vergangenen Jahren haben sich Wohnungen und Häuser in Griechenland deutlich verbilligt. Nachdem die Preise im Jahr 2009 um 3,7 Prozent sanken, fielen sie im folgenden Jahr 4,7 Prozent und 2011 gar um 5,1 Prozent, wie die griechische Zentralbank im April mitteilte. Die Preise für Häuser sind noch stärker eingebrochen. Am Immobilienmarkt zeigten sich keinerlei Anzeichen einer Erholung, stellte die Notenbank fest.

          „Ich höre in meinem Bekanntenkreis, dass fast jeder in der Generation meiner Eltern oder ihre Kinder nach Griechenland fahren und Immobilien in dem Ort oder der Region kaufen, in der sie aufgewachsen sind”, sagt George Boubouras, der leitende Investmentstrategie bei der australischen Vermögensverwaltungstochter der UBS AG und griechischer Bürger. Das Herz spiele dabei eine viel größere Rolle als der Kopf.

          Risikofrei sind Investitionen in Griechenland allerdings nicht: einer Einschätzung von Standard & Poor’s zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland in den Monaten nach der an diesem Wochenende anstehenden Wahl aus der Eurozone ausscheidet, bei mindestens einem Drittel.

          Der Hotel-Investor Afkos ist dennoch optimistisch, dass Griechenland im Euroraum bleibt. Sein Hotel in Kastoria habe 25 Familien Arbeit gegeben, erklärt er. „Diese Art der Hilfe können wir Australien-Griechen leisten”, betont er, „ich mag diese Leute.”
           

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