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Ni hao aus Peking : Chinas Währungshüter spielen Süßes oder Saures

Morgengymnastik in Peking Bild: AFP

Am Interbankenmarkt ist abermals das Geld knapp, die Zinsen gehen durch die Decke. Jetzt endlich pumpt die Zentralbank Cash in den Markt. Bankanleger sind dankbar, die Kurse steigen.

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          Rechtzeitig vor Halloween spielen die chinesischen Währungshüter mit den Geschäftsbanken „Süßes oder Saures“. Zum zweiten  Mal innerhalb von drei Monaten hat die Zentralbank PBOC zugelassen, dass die Zinsen am Geldmarkt stark gestiegen sind. Der Satz für siebentägige Rückkaufvereinbarungen (Repos) stieg zwischenzeitlich auf 5,06 Prozent, weil die Bank ihre Ausleihungen nicht verlängerte und dadurch die Liquidität verknappte.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Das war der höchste Stand seit Juli. Zuvor, im Juni, hatte es eine regelrechte Liquiditätskrise gegeben, die auf die Kredit- und Aktienmärkte durchgeschlagen war, bis die PBOC endlich einsprang und frisches Geld zur Verfügung stellte.

          Das Kalkül der Notenbank ist ein doppeltes. Zum einen will sie die Geldhäuser zwingen, ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen. Die Risikovorsorge soll verbessert und die Kapitalausstattung erhöht werden. Die Institute müssten ihre Ausleihungen künftig genauer prüfen, absichern und in die Bücher zurückholen, fordert die PBOC.

          Kampf gegen den „Moral Hazard“ in Chinas Staatswirtschaft

          Das ist ein gutes Zeichen. Die Warnschüsse am Interbankenmarkt, wo die großen Finanzakteure sich kurzfristig mit Geld versorgen, geht endlich das in Chinas Staatswirtschaft weit verbreite Problem des „Moral Hazard“ an: dass die Finanzhäuser und die großen Staatsunternehmen leichtfertig mit Geld umgehen, weil nicht sie das Ausfallrisiko tragen, sondern letztlich die Regierung.

          Die PBOC verfolgt zum zweiten ein geldpolitisches Ziel. Sie versucht, überschüssige Liquidität einzusammeln, denn  die Kreditvergabe und die Inflation steigen deutlich, während das Wirtschaftswachstum zuletzt wieder angezogen hatte. Vor allem am Immobilienmarkt sind die Preise außer Kontrolle geraten.

          Die Bank steuert die Geldmenge bevorzugt über Offenmarktgeschäfte am Interbankenmarkt. Dabei handelte es sich um umgekehrte Pensionsgeschäfte: Geldmarktverträge, über welche die Zentralbank den Geschäftsbanken Liquidität zur Verfügung stellt, besichert durch Wertpapiere. Die Laufzeit beträgt 7 oder 14 Tage. Will die Bank die Geldmenge gleich belassen, gibt sie bei Fälligkeit neue Liquidität in gleicher Höhe aus. Zuletzt aber hat sie zwei Wochen lang die Menge verringert und so 103 Milliarden Yuan (12 Milliarden Euro) abgesaugt.

          Erste Geldspritze seit zweieinhalb Wochen

          Jetzt erst gibt die PBOC wieder neues Geld frei. Zum ersten Mal seit dem 17. Oktober schreibt sie ein siebentägiges Repo-Geschäft aus, über das die Banken 13 Milliarden Yuan (1,5 Milliarden Euro) erhalten. Zunächst fiel deshalb der Zinssatz, wie beabsichtigt, um 0,15 Punkte auf 4,85 Prozent. Zum Fixing aber wurden wieder 5 Prozent festgesetzt, so dass die Wirkung offenbar verpuffte.

          Dennoch freute der Schritt die Bankanleger, denn bei der letzten Cash-Krise im Juni – als der Satz doppelt so hoch war – hatten sie mächtig Federn gelassen. Die Aktienkurse der großen Staatsinstitute steigen am Dienstag in Hongkong um bis zu 1,9 Prozent, darunter die Werte von ICBC, Bank of China und der China Construction Bank.

          Anderswo in Asien sind die Reaktionen gemischt. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific verliert leicht, Abschläge gibt es auch in Japan und Australien. In Neuseeland hingegen legen die Kurse zu. Die Märkte warten zum einen auf eine Zinsentscheidung der australischen  Zentralbank. Zum anderen auf das Ende einer geldpolitischen Sitzung der amerikanischen Notenbank Fed. Möglicherweise wird dort beschlossen, die ultralockere Geldpolitik noch eine Weile fortzusetzen, was die Kurse beflügeln dürfte. Gegen diese Aussicht sind Chinas Geldmarktgeschäfte vergleichsweise unbedeutend.

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