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Überproduktion : Der Kampf um die Kohle

Ein chinesischer Arbeiterin einer Mine nahe Datong, im Norden Chinas. Peking will den Ausfuhrzoll für Kohle drastisch senken. Bild: Reuters

Die Auseinandersetzungen auf dem Bodenschatzmarkt werden härter. Nun senkt China den Ausfuhrzoll für Kohle. Es zeigt, wie sehr die Branche unter Druck steht. Doch helfen wird es nicht.

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          Angesichts der immer weiter sinkenden Rohstoffpreise reagiert China nun mit Zollpolitik: Ab dem ersten Januar werden die Chinesen den Ausfuhrzoll für Kohle drastisch senken. Von bislang 10 Prozent soll er zu Jahresbeginn auf nur noch 3 Prozent sinken.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Kohle wird in China als Brennstoff auch für Hochöfen gebraucht, deswegen wurde die Ausfuhr mit Zoll belegt. Doch sind die Bergwerke des Landes so überaltert, dass der Preis für die Förderung in China deutlich über demjenigen in Indonesien oder in der hochentwickelten Bodenschatzindustrie Australiens liegt. Das Senken der Ausfuhrsteuer dürfte die Misere der chinesischen Kohleförderung deshalb kaum gravierend ändern. Der Zollabbau ist aber ein deutliches Signal dafür, wie weit die Branche mit ihren vielen Arbeitsplätzen unter Druck geraten ist.

          Fördern, fördern, fördern

          Nach Angaben des chinesischen Branchenverbandes der Kohleförderer arbeiten inzwischen 70 Prozent der Mitgliedsfirmen mit Verlust. Analysten halten das noch für untertrieben. Der natürliche Weg in einer Marktwirtschaft wäre, angesichts des riesigen Überangebotes die Förderung zu drosseln. Damit könnten die Preise stabilisiert werden. Aufgrund der vielen Arbeitsplätze im Bergbau aber kann China dies nicht. Und treibt so immer weiter in die Falle, die die Weltmarktführer aufgestellt haben: Denn die drei großen Anbieter auf dem Erzmarkt, BHP Billiton, Rio Tinto und die brasilianische Vale, weiten ihre Fördermenge immer weiter aus; sie fördern, als gäbe es kein Morgen mehr.

          „Die drei Großen haben angekündigt, den Ausstoß zu erhöhen und die Kosten zu drücken in der Hoffnung, einige der Projekte mit hohen Kosten werden so aus dem Markt gedrängt. Das aber könnte zu einer Periode eines riesigen Überangebotes führen“, warnt Helen Henton, Rohstoffexpertin bei Roubini. Das Trio kann sich das Überangebot leisten, weil seine Förderkosten unterhalb von 40 Dollar je Tonne rangieren. Kleinere Anbieter aber schreiben schon bei Preisen von 70 Dollar tiefrote Zahlen, chinesische Firmen brauchen oft mehr als 80 Dollar.

          Insgesamt hat die Branche seit 2002 mehr als 1000 Milliarden Dollar in den Ausbau der Förderkapazitäten gepumpt. Doch nur für die Großen lohnt sich das heute noch. In diesem Jahr dürfte die globale Überproduktion bei 60 Millionen Tonnen Erz liegen, im nächsten schon bei 110 Millionen Tonnen, schätzt Goldman Sachs. Die Berater riefen das „Ende der Eisenzeit“ aus.

          Kritik an Überproduktion

          Natürlich stößt die Strategie der Großen auf massiven Gegenwind. So kritisierte Andrew Forrest, Gründer des viertgrößten australischen Erzkonzerns Fortescue Metals Group, die Branchenriesen wendeten sich mit ihrer gezielten Überproduktion vor allem gegen chinesische Konkurrenten, wollten diese aus dem Markt drängen. „Es ist immer schwierig, wenn ich mich gegen meinen größten Kunden wende“, sagte Forrest – denn China ist der wichtigste Abnehmer des australischen Erzes. Colin Barnett, der Ministerpräsident Westaustraliens, stößt ins selbe Horn: Er unterstellt Rio Tinto und BHP Billiton „in einer konzertierten Aktion“ zu arbeiten und eine „Art von Abkommen“ zu haben.

          Die Branchenriesen aber verteidigen ihren Weg in der Öffentlichkeit unverdrossen damit, dass sich das Wachstum in China auf höchstem Niveau fortsetzen werde, die Verstädterung weiter zunehmen werde und deshalb auch in Zukunft immer mehr Kohle und Erz gebraucht würden. Was sie nicht sagen: Diese sollten aus Australien kommen, und nicht aus dem Heimatmarkt China.

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