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Japans Taxis gegen Uber : Preissenkung im Schonbezug

Taxi in Tokio Bild: Picture-Alliance

Tokios Taxigewerbe steht vor einer drastischen Änderung. Erstmals seit Jahren sollen die Preise sinken. Im Hintergrund lauert der Fahrdienst Uber, der einen ersten Erfolg am japanischen Markt meldet.

          2 Min.

          Zu den Höhepunkten des Lebens in Tokio gehört die gelegentliche Taxifahrt. Viele der Taxiunternehmen nutzen eher altertümlich wirkende Autos des Typs Toyota Crown, die eine besondere Atmosphäre ausstrahlen. Die Fahrgasttür hinten links wird vom Fahrer mit Fernbedienung geöffnet und geschlossen. Oft empfangen den Fahrgast weiße Schonbezüge auf den Sitzen und über den Kopfstützen. Die Fahrer sind vielfach älteren Semesters und bessern ihre Rente auf. Sie sind ausgesprochen freundlich und zuvorkommend, auch wenn Fremdsprachenkenntnisse meistens fehlen. Erkennen sie, dass der Fahrgast aus Deutschland kommt, halten manche die Waffenbrüderschaft beider Länder im Zweiten Weltkrieg hoch.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Rund 50.000 Taxis gibt es in Tokio, mit einigen hundert Unternehmen ist der Markt recht kleinteilig. Der Marktzugang ist seit einer Deregulierung 2002 grundsätzlich offen und unterliegt im Vergleich zu anderen Ländern recht wenigen Auflagen, obwohl die Behörden in späteren Jahren sich bemühten, die gestiegene Zahl der Taxen wieder zu verringern. Die Preise sind weitgehend reguliert und einheitlich.

          Attraktivität steigern

          Dieser Markt steht vor einer drastischen Änderung. Unter spürbarem Druck der Regierung haben mehrere der größeren Taxiunternehmen beantragt, den Fahrpreis zu senken. Die Chancen stehen gut, dass die Bewohner Tokios vom kommenden April an zumindest auf Kurzstrecken weniger für den Fahrdienst zahlen müssen. Insbesondere soll die Grundgebühr, die derzeit 730 Yen (6 Euro) für die ersten zwei Kilometer beträgt, auf 410 Yen (3,40 Euro) für den ersten Kilometer sinken.

          Damit wollen die Taxiunternehmen und die Regierung das Taxifahren auf Kurzstrecken attraktiver machen und in der vergreisenden Gesellschaft vor allem ältere Kunden halten oder hinzugewinnen. Etwa ein Viertel der Fahrgäste, so zeigte eine Untersuchung der Taxivereinigung 2014, fuhren eine durchschnittliche Distanz von 1,4 Kilometern und zahlten als Fahrpreis nur die Grundgebühr.

          Noch kann die Preissenkung scheitern, obwohl viele Zeitungen schon berichten und so Erwartungen der Kunden aufbauen. Vor 19 Jahren versuchte eine kleine Minderheit der Taxi-Unternehmen eine ähnliche Reform. Die Zahl der kurzen Fuhren stieg, aber die Fahrer klagten über geringere Einnahmen. Der Versuch mit den niedrigeren Preisen wurde nach fünf Jahren beendet.

          Tango mit Uber

          Die derzeitigen Bemühungen könnten ein ähnliches Schicksal erleiden, doch immerhin gibt es diesmal die drohende Konkurrenz von neuen Fahrdiensten wie der amerikanischen Gründung Uber. Das Unternehmen rührt in Japan kräftig die Werbetrommel, um politische Hindernisse für seinen bezahlten Fahrdienst aus dem Weg zu räumen. In Japan dürfen nach geltendem Recht nur Berufsfahrer Taxidienste anbieten. Damit ist das Geschäftsmodell Ubers blockiert, Freizeitfahrer einzusetzen und so die Kosten zu drücken. In Tokio agiert Uber deshalb bislang nur als Agent, der Kunden an traditionelle Taxiunternehmen weitervermittelt.

          Erstmals aber hat Uber jetzt einen Fuß im japanischen Markt. In Tango, einem Teil von Kyotango an der Westküste in der Präfektur Kyoto, hat das Unternehmen eine Zulassung erhalten. Das wurde möglich, weil das lokale Taxi-Unternehmen in dem Städtchen mit weniger als 6000 Einwohnern schon vor Jahren seinen Dienst eingestellt hatte. Damit greift eine Ausnahmeregel, nach der auch nicht-professionelle Fahrer Transportdienste anbieten dürfen, wenn andere Dienste nicht verfügbar sind. Vom Erfolg dieses Experiments im ländlichen Japan dürfte abhängen, ob auch die Bewohner der Millionenmetropole Tokio dauerhaft auf niedrigere Taxipreise im Wettbewerb hoffen können.

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