https://www.faz.net/-gqe-a9yjd

Vakzin : Astra-Zeneca lagert fast 30 Millionen Impfdosen in Italien

Impfstoff von Astra-Zeneca Bild: EPA

Der Pharmahersteller hortet Corona-Impfstoff südlich von Rom. Der EVP-Fraktionsvorsitzende ist empört. Das Unternehmen gibt eine Erklärung ab.

          3 Min.

          Der britisch-schwedische Impfstoffhersteller Astra-Zeneca hortet knapp 30 Millionen Impfdosen im Lager einer Fabrik von Anagni, 70 Kilometer südostlich von Rom. Die Regierung in Rom hat eine Inspektion in einer Firma bestätigt, nachdem die italienische Zeitung „La Stampa“  über die Lagerung berichtet hatte.

          Tobias Piller
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Der Impfstoff wurde laut der italienischen Zeitung in der niederländischen Fabrik Halix in Leiden hergestellt und dann in Italien abgefüllt. Die Informationen über das Depot von Impfstoff in Italien wurden offenbar, als EU-Kommissar Breton eine Auftragsproduktion für Astra Zeneca im niederländischen Leiden besuchte. Dort produziert ein Auftragshersteller namens Catalent für Astra-Zeneca.

          Anlass für die Inspektion soll gewesen sein, einen Überblick über die Produktionsmengen von AstraZeneca zu bekommen, die der Hersteller stets im Vagen lässt. In Halix wird nur der medizinische Wirkstoff für die Impfungen hergestellt, während die endgültige Abfüllung in Ampullen in der Fabrik im italienischen Anagni erfolgt. Breton erfuhr damit indirekt über die Ansammlung von Impfstoff in Italien.

          EVP-Fraktionschef empört

          In Italien ist aus Regierungskreisen zu erfahren, dass die EU-Kommission schon am Samstag den italienischen Ministerpräsidenten gebeten hat, die Lager einer Impfstoffproduktion in Anagni überprüfen zu lassen. Der Ministerpräsident hat den Gesundheitsminister Roberto Speranza informiert, der wiederum eine Inspektion einer Spezialeinheit der Carabinieri am Samstag und Sonntag veranlasst hat. Als Zielort für den gesamten gelagerten Impfstoff sei Belgien angegeben worden.

          Alle Lieferungen, die aus der Fabrik kommen, werden von den Carabinieri kontrolliert. Der Chef der Auftragsfertigung Catalent im italienischen Anagni sagte dazu allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, die Impfstoffe würde generell nach Belgien zurückgebracht, weil sich dort das allgemeine Auslieferungslager für die Astra Zeneca-Lieferungen in alle Welt liege.

          Die 30 Millionen Impfdosen sind knapp die doppelte Menge dessen, was Astra-Zeneca bisher insgesamt an die Länder der EU geliefert hat. Gegenüber den Ländern der EU hatte Astra-Zeneca immer wieder mitgeteilt, man müsse die Lieferungen kürzen.

          Ein Sprecher von Astra Zeneca bestritt gegenüber der F.A.Z., dass im italienischen Anagni Impfstoffe angehäuft würden. Eine solche Darstellung sei nicht korrekt. Die Impfdosen müssten noch eine Qualitätskontrolle durchlaufen. Bestätigt wurde allerdings, dass insgesamt 29 Millionen Impfdosen in Anagni lagerten. Nach Angaben von Astra Zeneca sind 13 Millionen Impfdosen für Länder außerhalb der EU mit mittlerem oder niedrigen Volkseinkommen bestimmt. Diese gehörten zur sogenannten Covax-Initiative, die auch von der EU unterstützt werde. Weitere 16 Millionen Impfdosen, die ebenfalls noch eine Qualitätskontrolle brauchten, seien für die EU bestimmt, davon sollen 10 Millionen in der letzten Märzwoche ausgeliefert werden, der Rest im April.

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Topmeldungen

          Israelische Polizisten bei einer Demonstration am 12. Mai in Lod

          Ausschreitungen in Israel : „Es geht ihnen nicht um Koexistenz“

          Nach den Unruhen in Jerusalem ist die Gewalt in vielen gemischten Orten in Israel eskaliert. Besonders schlimm war es in Lod, einer Achtzigtausend-Einwohner-Stadt, in der jeder Dritte einen arabischen Hintergrund hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.