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200 Jahre Krupp : In die Zukunft mit Gerhard Cromme

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Zeit für Rückblicke und Weichenstellungen: Berthold Beitz (links) und Gerhard Cromme Bild: dpa

Am 20. November wird der 200. Jahrestag der Gründung von Krupp gefeiert. Deshalb ist es Zeit für Rückblicke und Weichenstellungen. Stiftungschef Berthold Beitz stellt klar: Sein Nachfolger wird Gerhard Cromme.

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          In keinem anderen Industrieunternehmen ist die Unternehmensgeschichte so früh und umfangreich in Bildern festgehalten worden wie bei der Firma Krupp. Seit 1848 wurden mehr als 2 Millionen Fotos gesammelt. Eine winzige Auswahl wird seit Juni in dem von Alfred Krupp als Familiensitz errichteten, schlossähnlichen Anwesen, der Villa Hügel, in Essen ausgestellt. In fünf Monaten haben sich schon weit mehr als 100.000 Besucher einen Eindruck von der Eigentümerfamilie, dem Management („Krupp-Beamten“) und den Belegschaften („Kruppianern“) machen können. Beeindruckend sind vor allem die zum Teil über Wochen angefertigten Panoramafotos des wuchernden Werksgeländes. Sie bebildern, wie das Provinzstädtchen Essen im 19. Jahrhundert durch die Expansion der Firma in eine Industriestadt verwandelt wurde.

          Vor allem der Gründersohn Alfred Krupp gilt als umtriebiger, unermüdlicher Genius für den rasanten Aufstieg der Firma Krupp im Europa des 19. Jahrhunderts. Er war von den technischen Entwicklungen der Industrialisierung besessen, wirkte jahrzehntelang an Innovationen der Stahlherstellung und -bearbeitung mit. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Europa die Zahl der eingetragenen Patente der Firma Krupp allein von Siemens übertroffen. Und der Technikfreak Alfred hatte früh die noch junge Fotografie als Medium für seine Zwecke entdeckt.

          Anders als sein Vater Friedrich, der in seiner Besessenheit, Stahl von bester englischer Qualität zu erschmelzen, innerhalb von 15 Jahren nach heutigem Maßstab ein Millionenerbe verwirtschaftete, war Alfred auch ein ausgebuffter Marketingfachmann. Die 1861 auf dem Werksgelände errichtete „Photographische Anstalt“ war ihm mehr als nur ein teures Hobby. Sie fertigte permanent „Werbematerial“: für die ausgedehnten Kundenbesuche sowie die regelmäßigen Auftritte auf Messen und Weltausstellungen: durchweg inszenierte Bilder einer harmonischen Unternehmerfamilie, illustrer Kunden aus dem In- und Ausland, eines gigantischen Konzerns mit schweren Schmiedeprodukten.

          Mit deutscher Geschichte verwoben

          Seine Nachfolger - Sohn Friedrich Alfred, Enkeltochter Berta beziehungsweise deren Ehemann Gustav von Bohlen und Halbach sowie Urenkel Alfried Krupp von Bohlen und Halbach - hielten an dieser Strategie fest. Ältere Leser erinnern sich an die Fernsehbilder von den Hannover-Messen der sechziger Jahre, wenn Staatsoberhäupter aus Russland, der DDR oder Polen den Krupp-Stand besuchten.

          Im Jahr 1881, sechs Jahre vor seinem Tod, schrieb der damals 69 Jahre alte Industrielle: „Ich habe den Zweck vor Auge, dass die von mir geschaffenen Werke so lange, als es nach den Gesetzen möglich ist, conserviert und nach Möglichkeit erweitert werden.“ Damals war das Stahlkonglomerat Fried. Krupp mit rund 18.000 Beschäftigten der größte private Industriekonzern in Europa. Und weiter: „Es ist ja bekannt, dass ich Bergwerke für Jahrhunderte erworben habe, dass ich die Einhaltung der Substanz für alle Zeiten in der Familie wünsche, dass, wenn ein Jahrhundert über unsere Güter hinweggezogen sein wird, eine weise, solide Verwaltung noch für ein weiteres Jahrhundert verbürgt sein muss.“

          Keine der aus der Industrialisierung im 19. Jahrhundert hervorgegangenen Industriellendynastien ist so eng mit deutscher Geschichte verwoben wie das Haus Krupp. Lange waren der nahtlose Radreifen für Eisenbahnen, die als drei Ringe zum Firmenlogo wurden, und die Stahlrohre für die bis dahin aus Bronze gefertigten Kanonen die fruchtbarsten Innovationen des Konzerns. Die Gewinne aus diesen Geschäftsfeldern waren die Quelle für frühe vorbildliche Sozialleistungen für die Arbeiter, die der Eigentümer freilich auch mit heute undenkbaren Pflichten für seine Beschäftigten verband.

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