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Stichwort Tour : Alles Wissenswerte zum Radsport-Klassiker

So schön kann die Tour de France sein. Bild: dpa

Die Tour de France ist ein Mythos. In diesem Jahr findet die 106. Auflage des Radsport-Klassikers in Frankreich statt. Die F.A.Z. sammelt die vielen kleinen Geschichten rund um das Spektakel.

          Die Tour de France bietet viele Geschichten. Nicht nur auf den Straßen Frankreichs. Hier sind einige von ihnen:

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          A wie Armstrong

          Die alten Geister, man kann sie im Keller einsperren, aber los wird man sie nicht. Die alten Geister kommen immer wieder. Wie Lance Armstrong. Sieben Mal die Tour de France gewonnen, tönt es aus dem Keller. Alles nur Schall und Rauch und Doping. Jetzt rollt die Tour wieder, mit Fahrern, von denen man in der Mehrzahl hofft, dass sie anders unterwegs sind, als die Generation Armstrong es war, nicht schmutziger jedenfalls als Profis in vielen anderen Disziplinen. Da meldet sich Armstrong in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender NBC zu Wort. Warum er gedopt habe? Seine Antwort: Die Europäer waren schuld.

          Um auf der europäischen Radbühne bestehen zu können, hätten die Amis nicht anders gekonnt. Sie hätten gewusst, dass es in Europa Messer geben würde, nicht nur Fäuste. Aber auch Messer hätten nicht gereicht, denn es habe auch Fahrer mit Gewehren gegeben. Deshalb sei er in den Waffenladen gegangen, sagt Armstrong. Schoss sich, spritzte sich den Weg frei. Und wenn alle nur mit den Fäusten gekämpft hätten, mit den Füßen in den Pedalen? Auch dann, sagt Armstrong, hätte er gewonnen. Doch was spricht dafür? Nichts. Nichts spricht dafür, dass er mehr Talent hatte als viele andere Fahrer, die nicht betrogen – oder die den Betrug nicht so perfektionieren konnten, wie dies im System Armstrong möglich war, wo es weder an Skrupellosigkeit mangelte noch an Geld.

          B wie Backofen

          In heißen Tagen wie diesen gibt es für Radprofis nichts Schlimmeres als Rückenwind. Dann steht die Luft im Peloton. Keine Wind von vorn, keine Kühlung. Ein riesiger Backofen, in dem Radler über Stunden weichgekocht werden. Dann kommen die Wasserträger gar nicht mehr nach, ihren Kapitänen die Trinkflaschen zu bringen, wie rasende Fahrradkuriere schaffen sie ihre Lieferungen aus den Begleitfahrzeugen heran. Auf der Flachetappe der Tour am Dienstag rund um Nimes kletterte die Temperatur auf 40 Grad Celsius. Auf dem folgenden Teilstück am Mittwoch war es ähnlich, und da steigt bei manchen auch die Sorge, wie das zum Finale der Tour weitergehen soll.

          Peter Sagan, der Mann im Grünen Trikot des Punktbesten, sprach davon, dass er gar nicht mehr zum Radfahren komme, bei all dem Trinken, das unter diesen Bedingungen nötig sei. Und er schaute voller Grauen voraus auf die Alpenetappen, die von diesem Donnerstag an folgen. Mehr als 30 Grad Celsius werden auch dort erwartet, die Hitzewelle soll sich bis zum Wochenende halten. Bei diesem Wetter in die Berge zu fahren, werde sehr übel, sagte Sagan. Wegen der langen Anstiege und dem geringeren Tempo mit noch weniger Windkühlung. Sagan appellierte an den Internationalen Verband der Radprofis, eine Art Fahrergewerkschaft, „etwas zu unternehmen und die Fahrer zu schützen“. Ein Hilferuf aus der Wüste, der, davon darf man ausgehen, nicht übermäßig viel Gehör finden wird. In einer Phase, in der die Tour auch sportlich heißt läuft, bleibt den Fahrern nur eines: Trinken, trinken, trinken.

          B wie Bergfahren

          Der Franzose Albert Londres, geboren 1884 in Vichy, war Kriegsreporter, Weltreisender, Schriftsteller – und Poet. Vor allem als solcher hat er im Sommer 1924 die Tour de France über 15 Etappen begleitet. Das Bergfahren, diese ungeheure Strapaze des Kletterns in den Alpen, beeindruckte ihn am meisten. Über seine Eindrücke, die er mit Anzug und Hut am Streckenrand sammelte, schrieb er diese Zeilen:

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