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Fraport : Ryanair will ab Frankfurt fliegen

Billig auch ab Frankfurt: Voraussichtlich ab März werden wohl Flieger der Billigfluglinie Ryanair den Frankfurter Flughafen ansteuern. Bild: dpa

Ab März werden ab dem Frankfurter Flughafen wohl auch Ryanair-Flieger abheben. Der irische Billigflieger und Flughafenbetreiber Fraport wollen weitere Details bekanntgeben.

          Die irische Billigfluglinie Ryanair wird in Zukunft auch den Frankfurter Flughafen anfliegen. Auf einer Pressekonferenz in der Unternehmenszentrale des Flughafenbetreibers Fraport AG sollen am Mittwoch entsprechende Details bekanntgegeben werden. Die ersten Flugzeuge könnten mit Beginn des nächsten Sommerflugplans von Frankfurt aus starten. Die Vergabe der entsprechenden Slots, der Zeitfenster für die Starts und Landungen, ist noch nicht abgeschlossen. Der Sommerflugplan tritt im März in Kraft. Über die Slots entscheidet nicht der Flughafenbetreiber, sondern der Flughafenkoordinator für Deutschland. Er hat seinen Dienstsitz in Frankfurt.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender von Fraport, hat Billigfliegern in letzter Zeit schon öfter Avancen gemacht. Noch vor wenigen Jahren wollte man sich bei Fraport dagegen nicht ernsthaft mit den Low Cost Airlines als Kunden auseinandersetzen, weil sie nicht bereit waren, die Flughafenentgelte zu zahlen, die in Frankfurt verlangt werden.

          Flughafenentgelte lassen sich verringern

          Von Fraport war gestern keine Stellungnahme zu bekommen. Eine Ryanair-Sprecherin verwies auf die für Mittwoch angesetzte Pressekonferenz. Auch die Lufthansa wollte sich nicht zu den sich abzeichnenden Veränderungen auf ihrer Heimatbasis Rhein-Main äußern. Es spricht aber viel dafür, dass es die Kranichlinie nicht gutheißen wird, dass der stärkste Konkurrent aus dem Lager der Billigfluglinien gerade dort antritt, wo man nicht direkt mit der eigenen Billigtochter Eurowings vertreten ist, sondern nur mit der Lufthansa- Passage, deren Ticketpreise weit über denen der Iren liegen.

          Zurzeit setzt Lufthansa die Eurowings nur abseits der großen Drehkreuze Frankfurt und München ein. Da sich aber der Trend zum billigen Fliegen schon seit geraumer Zeit über den Ferienflugverkehr hinaus auch in den Geschäftsverkehr hinein entwickelt hat und auch dort weiter zulegt, spricht viel dafür, dass Eurowings in absehbarer Zeit auch auf den beiden großen Drehkreuzen starten und landen wird.

          Ein Grund, weshalb Ryanair bislang Frankfurt mied, ist die Höhe der Flughafenentgelte. Sie lassen sich allerdings auch in Frankfurt verringern. So ist für Fluggesellschaften, die erstmals von Rhein-Main aus starten, ein Nachlass möglich. Auch kann die Airline darauf verzichten, bestimmte Serviceangebote beim Stopp im Flughafen zu kaufen. Sie spart zum Beispiel Kosten ein, wenn sie darauf verzichtet, direkt am Gate anzudocken, wie es bei Fraport heißt.

          Einzelhandelsumsatz am Airport

          Ryanair wird nicht die erste Niedrigpreis-Airline sein, die Flüge von Frankfurt aus anbietet. Schon seit einiger Zeit sind dort etwa die spanische Vueling Airlines, die Transavia, die niederländische Billigtochter von AirFrance-KLM, und die isländische Wow Air engagiert.

          Das Interesse von Fraport an den Billigfliegern dürfte nicht zuletzt darauf gründen, dass sich auch deren Kundschaft verändert. Das lässt die Frankfurter hoffen, dass auch mit den neuen Low-Cost-Airline-Kunden ein gewisser Einzelhandelsumsatz am Airport zu erzielen sein wird, wie zu hören ist. Die Luxusartikel, die vor allem jenseits der Sicherheitskontrollen für so hohe Umsätze sorgen, dass Fraport entsprechend hohe Mieten einstreichen kann, werden Ryanair-Passagiere aber wohl auch in Zukunft kaum nachfragen.

          Kein Rückzug vom Flughafen Hahn

          Zwar signalisieren selbst ausgesprochen finanzstarke Fluggesellschaften wie Emirates seit Jahren immer wieder Interesse, ihre Präsenz in Frankfurt deutlich zu erhöhen, wenn sie denn nur an die begehrten Slots kämen. Die jüngsten Verkehrszahlen des Frankfurter Flughafens spiegeln allerdings dieses große Interesse nicht wirklich wider. Vielmehr muss sich Fraport schon seit geraumer Zeit mit einem Aufkommen an Flugbewegungen zufriedengeben, das sogar deutlich hinter schon gesenkte Prognosen zurückgefallen ist.

          Ryanair vollzieht mit den Starts von Frankfurt aus den seit geraumer Zeit von Airline-Chef Michael O’Leary angekündigten Weg in Richtung Drehkreuze und Metropolflughäfen. Als erste Ziele werden Mallorca und Alicante genannt.

          Wie am Dienstag weiter aus informierten Kreisen zu hören war, bedeutet das aber keinen Rückzug vom zum Verkauf stehenden Flughafen Hahn im Hunsrück. Auch den brauchten die Iren für ihre Wachstumspläne.

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