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Frankfurter SPD : Auf zum letzten Gefecht

Nach-Folger: SPD-Chef Schäfer-Gümbel (rechts) würde gerne Volker Bouffier (CDU, links) im Amt des Ministerpräsidenten beerben Bild: dpa

Das historische Tief überwinden oder aller Hoffnungen beraubt werden: Die nächste Oberbürgermeisterwahl wird zum Wendepunkt für die Frankfurter Sozialdemokraten.

          Die Ära Petra Roth neigt sich nach 18 Jahren ihrem Ende zu. Im Frühjahr 2013 läuft für das Frankfurter Stadtoberhaupt die dritte Amtszeit aus. Und weil die CDU-Politikerin Roth dann älter sein wird als 65 Jahre, kann sie laut der Hessischen Gemeindeordnung nicht noch einmal kandidieren.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für die Frankfurter SPD wird die Oberbürgermeisterwahl zu einer Schicksalswahl werden. Dass der Wahlkampf beginnt, hat sich angekündigt, als dieser Tage nach Michael Paris auch der SPD-Stadtverordnete Peter Feldmann seinen Hut in den Ring geworfen hat und gesagt, dass er für die Sozialdemokraten Roth herausfordern wolle. Siegte ihr Kandidat, würden in der Frankfurter Kommunalpolitik die Karten neu gemischt werden. Nicht nur, dass die gebeutelten Genossen, die sich bei der Kommunalwahl in diesem Frühjahr mit einem dritten Platz hinter den Grünen hatten abfinden müssen, wieder Hoffnung schöpfen könnten, es werde für sie endlich wieder nach oben gehen. Die Sozialdemokraten könnten mit einem Oberbürgermeister aus ihren Reihen durchaus die regierende Koalition von CDU und Grünen ins Wanken bringen, womöglich den Eintritt der SPD in die Stadtregierung erzwingen. Bei einer Niederlage indes wäre die Partei, die bis Ende der siebziger Jahre scheinbar ein Dauerabonnement auf die Macht in Frankfurt besaß, im Mark getroffen.

          Frau Käßmann ins Gespräch gebracht

          Auf eine unabsehbare Zeit könnte dann die Frankfurter SPD weiter die für sie blamable Rolle als dritte Kraft in der Kommunalpolitik der Stadt am Main einnehmen müssen. Und mehr noch: Die Ambitionen des hessischen SPD-Vorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel, nach der nächsten Landtagswahl Volker Bouffier von der CDU ablösen und selbst Ministerpräsident werden zu können, würden schwer gedämpft. Denn ohne eine starke Frankfurter SPD, ohne ein gutes Wahlergebnis der Sozialdemokraten in Hessens größter Stadt, ist eine Landtagswahl kaum zu gewinnen.

          Die Gesten stimmen schon: Michael Paris will für die SPD Frankfurt ebenso OB-Kandidat werden...

          Der Landeschef weiß, wie sehr sein Geschick von dem der Frankfurter Sozialdemokraten abhängt. Deshalb hat er hinter den Kulissen kräftig mitgemischt bei der Suche der Frankfurter Partei nach einem Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl. Weil er keinem Frankfurter so recht einen Sieg zutraut, fahndete er außerhalb: nach einem Spitzenpolitiker aus der Bundespolitik oder einer „Prominenten“ wie der einstigen evangelischen Bischöfin Margot Käßmann, von der vor Wochen die Rede war. Wie ernsthaft eine Kandidatur Käßmanns im Raum stand, wird Geheimnis bleiben. Das Projekt zerschlug sich im Anfangsstadium, weil irgendjemand zu früh plauderte. Wie oft sich Schäfer-Gümbel und sein Mitstreiter, der Frankfurter SPD-Vorsitzende Gernot Grumbach, eine Abfuhr einfingen, ist nicht bekannt. Es ist ihnen auf jeden Fall misslungen, eine namhafte Persönlichkeit zur Kandidatur zu bewegen.

          Wie hätte es auch anders sein können? Kein SPD-Politiker der ersten Garde wird seine Chance auf ein Ministeramt nach der nächsten Bundestagswahl durch eine Niederlage in Frankfurt ruinieren wollen. Schon vor der Oberbürgermeisterwahl 2007 war die Frankfurter SPD mit ihrer Suche quer durch die Republik nach einem schwergewichtigen Kandidaten gescheitert. Aus Pflichtgefühl hat sich dann der damalige Frankfurter Vorsitzende Franz Frey aufstellen lassen - und eine veritable Niederlage einstecken müssen.

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