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Kommentar : Kein Verlass auf Amerika

Merkel und Trump treffen sich beim Nato-Gipfel in Brüssel. Bild: dpa

Merkel will weniger Einfluss für Amerika: Die Europäer dürfen sich nicht unterschätzen, aber auch die eigenen Möglichkeiten nicht überschätzen. Es geht um den pragmatischen Interessenausgleich.

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          Donald Trump ist niemand, der den Westen zusammenhält, der dessen Werten und ordnungspolitischen Vorstellungen Achtung verschafft. Er ist auf dem Trip des Ultrarealismus, bei dem Partner, wenn sie im Weg stehen, derb beiseitegeschoben werden, im politischen und manchmal sogar im wörtlichen Sinne. Er ist derjenige, der Schluss damit macht, dass die Vereinigten Staaten – angeblich – überall über den Tisch gezogen würden. Was während des Wahlkampfes bei Wählern gut ankam, die sich auch irgendwie als ewiges Opfer dunkler Mächte in Washington oder sonst wo sahen, wurde so auch auf der internationalen Bühne aufgeführt, ob in der Sicherheits-, in der Handels- oder in der Klimapolitik. Was mögen die Leute in Ländern dazu sagen, die tatsächlich „Opfer“ amerikanischer Politik geworden sind, ganz real und nicht nur in der Phantasie?

          Es fällt nicht leicht, nach dieser Reise des amerikanischen Präsidenten noch daran zu glauben, dass er den Sinn für die Allianzen erfasst, aus denen sich die Infrastruktur des Westens zusammensetzt; dass sich ihm die Bedeutung von Vertrauen und Empathie erschließt. Für die weltpolitische Verantwortung der Vereinigten Staaten hat er kein Verständnis. Autokraten schmeichelt er auf peinlichste Weise, gegenüber Demokraten wird er grob und beleidigend. Was soll man davon halten? Auch frühere amerikanische Präsidenten haben keine Sekunde gezögert, die Interessen ihres Landes – oder das, was sie dafür hielten – mit Nachdruck zu verfolgen. Jetzt aber hat man den Eindruck, es gehe um das Ganze, als wolle Trump all denen recht geben, die ihn als Abrissbirne der internationalen Ordnung karikiert hatten.

          Für die Europäer ist das eine bittere Erfahrung. Jetzt sagt sogar Bundeskanzlerin Merkel deutlich: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt.“ Die Europäer müssen sich weiterhin pragmatisch um einen Interessenausgleich bemühen. Sie können aber die Augen nicht davor verschließen, dass sie in der aufgewühlten Welt des 21. Jahrhunderts für ihre Sicherheit und ihren Wohlstand mehr denn je selbst einzustehen haben. Dabei dürfen sie sich nicht unterschätzen, aber auch nicht überschätzen. Trumps Amerika vollzieht jedenfalls eine Zeitenwende.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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