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Vor G-7-Gipfel : Es brennt

Waldbrand im Naturpark Chapada dos Guimaraes im brasilianischen Amazonasgebiet. Bild: dpa

Werden die Tage in Biarritz vom Bemühen um Geschlossenheit geprägt sein oder von Eklat, Zerwürfnissen und Widerlagern? Fest steht schon jetzt: Der Westen hat gerade nicht seine stärksten Tage.

          Nein, die sieben großen Industrieländer und Vertreter der EU, die sich in den kommenden Tagen in Biarritz als G7 treffen, sind keine Weltregierung. Das waren sie nicht, das sollten sie nicht sein. Ein solcher Anspruch wäre auch vermessen; zumal heute eine andere Staatengruppe, die G20, mit größerer Repräsentativität globale Steuerungsaufgaben beansprucht. Nüchtern betrachtet, sind die G7 der wirtschaftlich potente Kern des alten Westens, verstanden als Gemeinschaft von Staaten mit ähnlicher Verfassungsordnung und gemeinsamem Wertefundament. Heute stellt sich nicht die Frage nach deren Dominanz, sondern die, wie stark oder fragil ihr Zusammenhalt noch ist. Streitpunkte gab es immer; aber es ist doch eher neu, dass ein Mitgliedsland Grundprinzipien in Frage stellt.

          Seit Donald Trump, ein Verächter von Multilateralismus und freiem Handel, Präsident ist, muss man auf alles gefasst sein. Werden die Tage in Biarritz also von dem Bemühen um Geschlossenheit geprägt sein oder von Eklat, Zerwürfnissen und Widerlagern? Wird sich der britische Premierminister Johnson an die Seite Trumps stellen, der ihn zum ungeregelten Brexit anfeuert, oder wird er mit den anderen Europäern die Übereinstimmung in vielen Themen der internationalen Politik herausstellen? Die französischen Gastgeber scheinen nicht damit zu rechnen, dass der westliche Konsens eine Wiedergeburt erlebt: Eine Abschlusserklärung soll es nicht geben.

          Das aber hat Präsident Macron nicht davon abgehalten, die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet kurzfristig auf die Tagesordnung zu setzen, selbst wenn er sich damit den Zorn des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro zuzieht. Aber wenn diese Brände, mutmaßlich die Folge von Brandrodungen, eine „internationale Krise“ darstellen, dann haben auch die G7 das Recht, sich damit zu befassen. Das hat nichts mit kolonialistischem Denken zu tun, sondern damit, dass globale Umweltkatastrophen alle angehen.

          Natürlich wäre ein Dialog mit der brasilianischen Führung sinnvoll, und vielleicht wird es dazu kommen. Doch Bolsonaro macht sich lieber mit der Agrarlobby gemein und will das Amazonasgebiet agroindustriell nutzen. Wie sein Bruder im Geiste Trump sind auch ihm die Folgen für das Klima gleichgültig – das wiederum lässt die Kritik am EU-Mercosur-Abkommen immer lauter werden. Der Westen hat nicht seine stärksten Tage. Es brennt überall, aber wer löscht?

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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