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„Die Ugander sind gewohnt, dass wir hinkommen und ihnen sagen, was sie ändern sollen. Viele sind fassungslos, dass ich stattdessen etwas von ihnen übernehme.“ Bild: Jens Gyarmaty

Star in Uganda : Die exotische Muzungu

In Uganda kennt man zwei deutsche Sängerinnen: Helene Fischer und Deena. Die junge Frau ist dort ein Popstar – und als Weiße mit Texten in afrikanischen Sprachen eine Ausnahmeerscheinung.

          5 Min.

          Als Sabrina Herr 2013 direkt nach ihrem Abitur nach Ruanda kam, dachte sie nicht an Erfolg und Karriere. Sie wollte ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Einrichtung für Straßenkinder ableisten, ihren Horizont erweitern, Afrika kennenlernen. Danach studieren, vielleicht Medizin. Dann machte sie von Ruanda aus einen Ausflug nach Kampala, in die Hauptstadt des Nachbarlandes Uganda, wo sie einen Musikproduzenten kennenlernte. Zwei Jahre später war sie in Ostafrika ein Popstar, heute füllt sie mit ihren Konzerten große Hallen. Klingt nach einer Geschichte voller ungewöhnlicher Zufälle über eine Auswanderin, die ihr Glück gefunden hat? Ja. Aber es steckt mehr dahinter.

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

          Wenn man Sabrina Herr alias Deena heute fragt, was sie damals nach dem Abitur eigentlich mit ihrem Leben vorhatte, bevor es diese unvorhergesehene Wendung nahm, erinnert sie sich vor allem daran, was sie nicht wollte. „Nach dem Abi hatte ich mich für eine Musical-Schule beworben. Das hätte auch geklappt, aber ich habe mich dann dagegen entschieden. In der Musical-Ausbildung wird man so hingebogen, das ist nichts für mich.“ Genauso singen wie alle anderen in diesem austauschbaren Stil, den fast alle Musical-Sänger gemein haben, wollte sie nicht. Dann lieber neben dem Studium etwas Geld als Straßenmusikerin dazuverdienen, aber dafür künstlerisch frei sein. Nach Ruanda reiste sie mit ihrer Gitarre und der Vorstellung, sie werde dringend gebraucht, um mal ein bisschen System und Struktur in die soziale Einrichtung zu bringen. Davon erzählt sie in ihrem aktuellen Buch „So frei bin ich nur hier – Mein zweites Leben in Afrika“ (Benevento Verlag). Doch bald stellte sie fest, dass die Kinder niemanden brauchten, der ihnen mit deutschem Arbeitseifer Freizeitpläne erstellt und bestimmt, wann gebastelt und wann Fußball gespielt wird. Dass sie diejenige war, die zu lernen hatte, und zwar von den Kindern. Den Anfang machten afrikanische Lieder und die Sprache, die in Ruanda gesprochen wird: Kinyarwanda. Ohne es zu wissen, legte sie damit den entscheidenden Grundstein für ihre spätere Karriere.

          Denn Deenas Erfolgsgeheimnis ist, dass sie anders ist als andere Künstler: Sie ist weiß, aber sie singt in afrikanischen Sprachen. Vor allem auf Luganda, einer Sprache, die selbst vielen Einheimischen schwerfällt. Jede Zeile ihres ersten Liedes nahm sie einzeln auf, damit die Aussprache auch ja richtig war und kein Fehler durchrutschte. Eine Weiße, die Luganda und Kisuaheli singt? Bei ihren ersten Auftritten versetzte das ihr Publikum in eine Art Schockstarre. „Die Ugander sind gewohnt, dass wir hinkommen und ihnen sagen, was sie ändern sollen. Viele sind fassungslos, dass ich stattdessen etwas von ihnen übernehme.“ Den verhaltenen Applaus nach dem ersten Kurzauftritt nahm Deena als Zeichen, dass sie gescheitert sei. Sofort war sie bereit, das Experiment Popstar abzuhaken. Ihr Produzent hingegen war mehr als zufrieden. Er konnte die Reaktion seiner Landsleute besser interpretieren und ahnte, was kommen würde: ein echter Hit mit ihrer ersten Single „Mumulete“, Interviews im Radio und Fernsehen, ein über Nacht bei Facebook viral gegangenes Musikvideo. Ihr Durchbruch ist eine melodiöse, etwas kitschige Ballade mit typisch afrikanischem Rhythmus und, wie Deena sagt, humoristisch angehauchtem Text:

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