ESC-Boykott : Sie stellen Israel und Russland auf eine Stufe

Weil Hunderte Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Sender protestierten, nimmt die Niederlande nun doch nicht am ESC 2027 teil. Wegen Israel. Auch Irland und die Tschechische Republik haben schon abgesagt.
Die Niederlande werden auch im nächsten Jahr nicht am Eurovision Song Contest (ESC) teilnehmen. „Aufgrund der Sensibilität der aktuell diskutierten Themen haben wir beschlossen, vorerst Abstand zu nehmen“, teilte die Chefin der Dachorganisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (NPO), Jet de Ranitz, am Dienstag mit. Gemeint ist: die umstrittene Teilnahme Israels. Schon in diesem Jahr hatten die Niederlande, Spanien, Slowenien, Irland und Island den Wettbewerb deshalb boykottiert.
Wie der Veranstalter, die Europäische Rundfunkunion (EBU), am Mittwoch mitteilte, haben bisher 36 Länder ihre Teilnahme für das nächste Jahr bestätigt, in diesem Jahr nahmen 35 Länder teil. Abgesagt für 2027 haben neben den Niederlanden auch Irland und die Tschechische Republik. Spanien und Slowenien haben sich noch nicht festgelegt. Nordmazedonien kehrt zu dem Wettbewerb zurück, Kanada nimmt im nächsten Jahr erstmals am ESC im bulgarischen Burgas teil.
Der Sender AVROTROS hatte schon Ende August entschieden, dass er die Auswahl des niederländischen Teilnehmers auch für das nächste Jahr nicht organisieren wolle. Der ESC habe seinen neutralen Charakter verloren, hieß es zur Begründung, „weil eines der teilnehmenden Länder noch immer in einen groß angelegten militärischen Konflikt verwickelt ist“. Einen Monat später teilte die NPO, die das Programm koordiniert, mit, dass das Land in den Wettbewerb zurückkehren werde. Ein unabhängiges Expertenteam werde den niederländischen Beitrag auswählen, die Halbfinals und das Finale des ESC würden dann vom Sender NOS übertragen.
In Belgien steht die Übertragung infrage
Dagegen regte sich jedoch massiver Widerstand bei den Mitarbeitern der öffentlich-rechtlichen Sender. Mehr als 400 von ihnen unterzeichneten einen offenen Brief unter dem Titel „Niet mijn Songfestival“. „Ich möchte nicht, dass unser öffentlich-rechtlicher Sender mit einem Land auftritt, dessen Regierung für den Völkermord im Gazastreifen und die illegale Besetzung palästinensischen Gebiets verantwortlich ist“, hieß es darin. Der Brief stellte Israel und Russland auf eine Stufe. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sei das Land innerhalb eines Tages vom ESC ausgeschlossen worden, hieß es darin. „Offenbar gelten für Israel andere Regeln.“ Die NPO müsse daher ihre Entscheidung rückgängig machen.
Dieser Druck zeigte nunmehr Wirkung. „Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass das Thema so heikel ist und derart kontroverse Reaktionen hervorruft, halte ich es für unverantwortlich, einen Sender mit der Organisation des Eurovision Song Contest 2027 zu beauftragen“, schrieb NPO-Chefin de Ranitz. Der Veranstalter EBU bedauerte die Absage. „Wir erkennen an, dass die Meinungen zum Wettbewerb tief und aufrichtig vertreten werden und dass sie stark voneinander abweichen“, hieß es in einer Erklärung. Der ESC stehe aber für einen „Geist der Einheit“ und werde diesen schützen.
Immerhin sollen die Halbfinals und das Finale weiterhin von NOS übertragen werden, auch ohne niederländische Teilnahme. Im Nachbarland Belgien steht das derweil infrage. Zwei der drei großen (weltanschaulich organisierten) Gewerkschaften kündigten am Dienstag einen Streik ihres Personals beim flämischen Rundfunksender VRT für die drei Sendetage an. Man wolle so die Mitarbeiter schützen, „die aus moralischen Gründen Einwände gegen die ESC-Teilnahme vorbringen und die an Programmen und Sendungen im Zusammenhang mit dem Wettbewerb mitwirken“, hieß es in einer Stellungnahme.





