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Finanzmärkte : Zinshoffnungen beflügeln die Börsen

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Die Kursreaktionen in Europa sind nach den Signalen der Fed weit weniger deutlich als in den USA: Bulle und Bär auf dem Börsenplatz in Frankfurt. Bild: Lando Hass

Die Signale der amerikanischen Notenbank hin zu einer moderateren Zinspolitik lässt die Aktienkurse an der Wall Street haussieren. Auch in Europa klettern die Kurse, aber deutlich verhaltener.

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          Weitere Signale der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hin zu einer moderateren Zinspolitik haben dem Dax am Donnerstag Auftrieb gegeben. Für einen Dämpfer sorgten allerdings die Einzelhandelsumsätze in Deutschland im Monat Oktober, die angesichts der hohen Inflation unerwartet stark sanken. Der deutschen Leitindex stieg zu Handelsbeginn um mehr als ein Prozent. Später war es noch ein Plus von 0,6 Prozent auf 14.484 Punkte. Der M-Dax der mittelgroßen Werte legte deutlicher um 1,6 Prozent auf 26.012 Punkte zu. Der Euro-Stoxx-50, der Leitindex der Eurozone, gewann 0,5 Prozent auf 3984 Punkte.

          Eine Rede des amerikanischen Notenbankchefs Jerome Powell hat die US-Börsen am Mittwoch ins Plus drehen lassen und an der Wall Street eine Kursrally ausgelöst. Powell stimmte die Finanzmärkte vor der letzten Fed-Sitzung im laufenden Jahr auf eine weniger aggressive Gangart bei den Zinsen ein. „Schon im Dezember“ könne die Zeit gekommen sein, Tempo bei den Zinsanhebungen herauszunehmen, sagte der Chef der Federal Reserve.

          Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt in Höhe von 0,50 Prozentpunkten für die Sitzung am 14. Dezember wird an den Finanzmärkten nunmehr auf 75 Prozent geschätzt. Die Fed hatte Anfang November den Leitzins zum vierten Mal in Folge um 0,75 Prozentpunkte erhöht auf die neue Spanne von 3,75 und 4 Prozent. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss daraufhin am Mittwoch 2,2 Prozent höher auf 34.589 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte 4,4 Prozent auf 11.468 Punkte vor. Der breit gefasste S&P 500 legte 3,1 Prozent auf 4080 Punkte zu.

          Nemetschek legen deutlich zu

          Für den Dax bleibt das Umfeld und der Weg zum Zwischenhoch vom 6. Juni bei etwas mehr als 14.700 Punkten somit steinig. Ob es eine neunte Gewinnwoche in Folge geben wird, bleibt abzuwarten. Derzeit zeichnet sich noch ein kleiner Verlust ab. Denn die Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell enthielten nach Einschätzung der LBBW nicht nur Erfreuliches für die Börsen. Powell habe betont, dass die Fed die Leitzinsen in der Spitze wohl über das im Rahmen ihrer Projektionen avisierte Niveau von 4,6 Prozent hinaus werde anheben müssen: „Zudem sagte er, dass die Fed die Leitzinsen einige Zeit auf jenem Niveau belassen müsse, um die Wirtschaft zu zügeln, was wohl als eine Absage an eine erste Zinssenkung schon im kommenden Jahr zu werten ist."

          Unter den Einzelwerten stiegen im Dax die Aktien der Deutschen Telekom um 1 Prozent auf 19,60 Euro. J.P.Morgan Analyst Akhil Dattani sieht 2023 einige potentielle Kurstreiber für die T-Aktie und setzte sie daher auf die „Analyst Focus List" unter Beibehaltung der Einstufung „Übergewichten". Das Kursziel hob er von 27,50 auf 29 Euro an. Preismacht, Investitionen, Regularien und die Verschuldung seien die Hauptthemen innerhalb der Branche.

          Im M-Dax sprangen die Aktien des Bausoftwareherstellers Nemetschek um 6,5 Prozent hoch. Im kommenden Jahr erwartet der Vorstandschef „weiterhin Umsatzwachstum und ein operatives Ergebnis auf hohem Niveau". Dass die operative Marge sinken dürfte, wie Yves Padrines ebenfalls ankündigte, belastete die Stimmung für die Aktie nicht. So wäre das ein Rückgang von hohem Niveau aus.

          Technologieaktien besonders gefragt

          Die am Mittwoch veröffentlichten US-Konjunkturdaten waren unterschiedlich ausgefallen. Zum einen legte das Bruttoinlandsprodukt von Juni bis September auf das Jahr hochgerechnet um 2,9 Prozent zu. Fachleute hatten mit einem Plus von 2,7 Prozent gerechnet. Zum anderen haben die US-Unternehmen im November laut einer Umfrage deutlich weniger Arbeitsstellen aufgebaut als erwartet. Unter dem Strich entstanden 127.000 Jobs, dies lag deutlich unterhalb der durchschnittlichen Analystenprognose von einem Zuwachs von 200.000.

          Zu den Gewinnern nach der Powell-Rede zählten vor allem die Technologiewerte. Die Papiere von Microsoft, Netflix und des Grafikkarten-Herstellers Nvidia stiegen um bis zu 8,7 Prozent. Eine steigende Inflation und höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen.

          Gleichzeitig ließen die aufgehellten Aussichten in China den Ölpreis steigen. Das US-Leichtöl WTI zog 2,7 Prozent auf 80,30 Dollar pro Barrel (159 Liter) an. Die Preise wurden auch durch sinkende Rohölvorräte gestützt. Zuletzt hatten mehrfach Spekulationen über die künftige Förderpolitik des Ölverbunds Opec+ für starke Preisschwankungen gesorgt, aber seine Entscheidung, das Treffen am 4. Dezember online abzuhalten, deutet Insidern zufolge auf eine geringe Wahrscheinlichkeit einer Änderung der Politik hin.

          Bei den Einzelwerten stiegen die Aktien des E-Autobauers Tesla nach starken Verkaufszahlen auf dem chinesischen Markt um 7,7 Prozent. Der amerikanische Konzern verkaufte in der Volksrepublik im November dank gesenkter Preise und anderer Anreize fast doppelt so viele Fahrzeuge wie im Vorjahresmonat. Auch die Titel von Boeing legten mehr als zwei Prozent zu. Der Flugzeugbauer kann bei der gefährdeten Zulassung zweier Varianten seines Mittelstreckenjets 737 Max laut Insidern auf einen Kompromiss mit dem Gesetzgeber hoffen.

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