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Es ist entschieden : Die Auferstehung der Suhrkamp AG

So sieht eine Siegerin aus: Ulla Unseld-Berkéwicz Bild: dapd

Sieg der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz: Das Amtsgericht Berlin Charlottenburg hat den Insolvenzplan bestätigt. Damit steht der Suhrkamp AG nichts mehr im Wege. Hans Magnus Enzensberger soll in den Aufsichtsrat.

          Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat den Insolvenzplan von Suhrkamp an die Beteiligten des Verfahrens verschickt. Es ist nur ein simpler Postausgang, den nicht einmal ein Pressesprecher vermeldet, aber damit ist die gerichtliche Zulassung eines der umstrittensten Verfahren der vergangenen Wochen und Monate erfolgt.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der Umsetzung des Plans, der die Umwandlung des traditionsreichen Verlags in eine Aktiengesellschaft vorsieht und um den zuletzt so heftig gerungen wurde, vor allem zwischen den zerstrittenen Gesellschaftern, steht jetzt kaum mehr etwas entgegen. Er wird jetzt nur noch der Gläubigerversammlung zur Prüfung und Entscheidung vorgelegt, das wird Ende Oktober sein. Da von den mehr als tausend Gläubigern, darunter Autoren, Papierfabrikanten und Druckereien, bislang niemand Widerspruch gegen das Verfahren angemeldet hat, wird mit Zustimmung gerechnet. Beschließt die Versammlung Ende Oktober den Plan, vollzieht sich genau in diesem Moment die Umwandlung des Hauses in die Suhrkamp AG. Dann ist es nur noch eine Frage von Tagen bis Wochen, bis das Insolvenzverfahren beendet und der Verlag im neuen rechtlichen Gewand in eine Zukunft entlassen wird, in der dann hoffentlich nur noch über Bücher debattiert wird - und nicht mehr über juristische Schriftsätze.

          Die Erleichterung ist groß

          Verzögert hatten die Entscheidung des Berliner Gerichts, die schon vorige Woche erwartet worden war, kleinere Korrekturen, die eingefordert wurden. So war die zuständige Richterin Mechthild Wenzel nicht damit einverstanden, dass die Anwälte der Familienstiftung der Hamburger Witthohn, Aschmann und Schellack als Platzhalter für einen vorläufigen Aufsichtsrat benannt worden waren. Jetzt liegt die endgültige Besetzung des Aufsichtsrats fest. Dieser besteht aus dem Suhrkamp-Autor Hans Magnus Enzensberger, dem FDP-Politiker und einstigen Innenminister Gerhart Baum sowie der Ärztin Marie Warburg, die einer Bankiersfamilie entstammt. Das Gremium, benannt vom Verlag im Rahmen des Insolvenzverfahrens, wird als eine der ersten Aufgaben den Vorstand bestimmen.

          Während in Berlin eifrig an der neuen AG gebastelt wird und man Nachhilfestunden in Aktienrecht nimmt, ist zugleich die Erleichterung groß, dass die Kritik des zürnenden Minderheitsgesellschafters Hans Barlach am Berliner Gericht kein Gehör fand. Seit dem 6.August läuft das Insolvenzverfahren. Seither hat der Hamburger Medienunternehmer, dessen Medienholding 39 Prozent an Suhrkamp besitzt, mit mehr als einem Dutzend Klagen und Anträgen bei Gerichten in Frankfurt und Berlin die Umsetzung des Plans bis zuletzt zu verhindern versucht. Fast alle Anträge wurden abgelehnt. Nur das Frankfurter Landgericht hatte Mitte August eine einstweilige Verfügung der Medienholding bestätigt, die erwirkte, Gewinnforderungen der Familienstiftung für die Jahre 2010 und 2011 zu stunden. Dieses Urteil wurde gestern vom Frankfurter Oberlandesgericht aufgehoben.

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