FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Eine afrodeutsche Geschichte :
Das Bildnis der Andrea Manga Bell

Von
Lene Albrecht
Lesezeit:
Andrea Manga Bell, fotografiert von Franz Pfemfert
Andrea Manga Bell, fotografiert von Franz PfemfertNachlass Joseph Roth

Geschichten wie ihre wurden lange nicht erzählt. Dabei war sie als Partnerin von Joseph Roth die erste Afrodeutsche, die in die Literaturgeschichte einzog. Und in Klaus Manns Roman „Mephisto“. Ein Gastbeitrag.

Andrea Manga Bell ist ein Zufallsfund. Für meinen zweiten Roman, „Weiße Flecken“, war ich eigentlich auf der Suche nach meiner Urgroßmutter Benedetta. Oder Bertha, wie sie sich später nannte. Laut einer Anekdote in meiner Familie, die weit verzweigt und nicht unkompliziert ist (wie die meisten Familien), war Benedetta als Kind mit ihrem Vater, einem weißen Kolonial­warenhändler, von Panama nach Deutschland ­gekommen und wurde in Hamburg von ihm adoptiert. Ihre Mutter und die beiden älteren Geschwister blieben zurück. Es gab keinen plötz­lichen Aus­löser für mein Schreiben. Keine Briefe auf dem Dachboden. Kein dunkles Geheimnis. Keine Toten und auch keine Lebenden, die an die Tür klopften, um einer verschollenen Geschichte das Einfallstor zu öffnen. Die Geschichte war schlicht immer schon da, nur hatte ich ihr bis jetzt keine Bedeutung geschenkt. Erst eine intensive Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus schärfte meinen Blick für die Brüche in der eigenen Familienbiographie.

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