F.A.Z.-Newsletter : Zehn Jahre nach der Katastrophe

Viele, die heute vor zehn Jahren die Loveparade in Duisburg besuchten, leiden noch immer unter diesem Erlebnis. Doch die Frage nach der Schuld blieb bisher auf der Strecke. Alles Wichtige im F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.
Stattdessen kam der Vorsitzende Richter zu dem Schluss, dass die Ursache für das Unglück ein „multikausales Geschehen ohne den einen Bösewicht“ war, der zuständige Staatsanwalt sprach in einer Arte-Doku von „organisierter Verantwortungslosigkeit" bei der Planung des Großevents. Die Mutter eines verstorbenen jungen Mannes kritisiert die juristische Aufklärung im Gespräch mit meinem Kollegen Reiner Burger als unzureichend, sie sagt: „Wir wollten umfassende Aufklärung. Man verweigert sie uns bis heute.“ Immerhin hat das nordrhein-westfälische Landesparlament Ende Juni beschlossen, eine Expertenkommission einzusetzen, die erarbeiten soll, wie komplexe Katastrophenfälle künftig schneller und besser aufgearbeitet werden können.
Besser wäre es freilich, solche Katastrophen würden gar nicht erst passieren. Das Loveparade-Unglück bleibt für immer eine Mahnung bei der Planung und Genehmigung künftiger Veranstaltungen. Meine Kollegen Elena Witzeck, Kathrin Jakob und Daniel Blum zeichnen den Unglückstag und seine Folgen in ausführlichen Video-Interviews nach: Loveparade-Besucherin Rosalinda Barbasola, die damals reanimiert werden musste, erzählt eindrücklich von der Situation im Gedränge. Dass sie bis heute manchmal die Füße auf dem Rücken spürt, den Druck auf den Brustkorb, und dass die Katastrophe für sie nie vorbei sein wird. Auch den Sanitäter Daniel Assenmacher-Otto beschäftigen die Ereignisse bis heute. Im Interview berichtet er von dem Einsatz und seinen Zweifeln. Der damalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) spricht darüber, dass die Veranstaltung eigentlich niemand gebraucht hätte und dennoch stattfand. Eigene Fehler will er nach wie vor nicht eingestehen.





