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Duisburgs Ex-Oberbürgermeister : „Mein Name war Synonym für die 21 Toten der Loveparade“

Bild: FAZ.NET / EPA

Adolf Sauerland war zum Zeitpunkt des Loveparade-Unglücks Oberbürgermeister von Duisburg. Für die Katastrophe hat er sich nie verantwortlich gefühlt. Die Duisburger wählten ihn deshalb ab. Ein Gespräch über moralische Verantwortung und sein Leben heute.

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          Vor zehn Jahren kamen bei der Loveparade in Duisburg 21 Menschen ums Leben. Vor dem Zu- und Abgang des Geländes am ehemaligen Duisburger Güterbahnhof drängten sich in einem Tunnel tausende Technofans. Mehr als 650 Besucher wurden verletzt, viele haben noch heute mit den Erinnerungen an den 24. Juli 2010 zu kämpfen.

          Kathrin Jakob

          Videoredakteurin bei FAZ.NET.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Daniel Blum

          Videoredakteur bei FAZ.NET.

          Die Verantwortung wollte weder der Veranstalter Lopavent noch die Stadt noch das für die Einsatzkräfte zuständige Innenministerium übernehmen. Die Weigerung, politische Verantwortung anzuerkennen, nahmen die Bürger Duisburgs vor allem ihrem Oberbürgermeister Adolf Sauerland übel. Eineinhalb Jahre nach der Katastrophe wurde er nach einem Bürgerbegehren von den Duisburgern aus dem Amt gewählt, weil er nicht freiwillig gehen wollte.

          Im Mai 2020 ging das Gerichtsverfahren ohne ein Urteil zu Ende. Nach langwierigen Ermittlungen hatten sich seit Dezember 2017 Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters vor Gericht verantworten müssen. Viele der 42 noch von den Ereignissen traumatisierten Nebenkläger blieben, über den juristischen Abschluss des Unglücks entsetzt, auf ihren Gerichtskosten sitzen.

          Nach langem Schweigen hat sich der damalige Oberbürgermeister im EINSTIEGS-VIDEO der F.A.Z.-INTERVIEWSERIE zu den Ereignissen nach der Katastrophe geäußert. „Diese Veranstaltung war eine Veranstaltung, die keiner brauchte, aber die man unbedingt wollte“, sagt Sauerland. Fehler will er auch nach zehn Jahren nicht eingestanden: Er sei als Mörder beschrien worden und habe mit seiner Familie die Stadt verlassen müssen. In einer solchen Situation handle man entsprechend. Wenn er jedoch noch einmal die Gelegenheit hätte, so würde er sagen: „Passt mal auf, Freunde, wir tragen keine Schuld. Aber wir kümmern uns jetzt um die Menschen, die hier zu Schaden gekommen sind.“

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