TV-Kritik: Anne Will : Mit Plattitüden gegen die Pandemie

Wer die gegenwärtige Misere der Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erleben wollte, bekam bei Anne Will einen bemerkenswerten Anschauungsunterricht. Eine Debatte fand nicht statt, stattdessen gab es ein Poesiealbum von Allgemeinplätzen.
Zum Glück ist das „gepflegte Glas Rotwein“ weiterhin möglich. Wenigstens aus der Perspektive von Frank Ulrich Montgomery, einem seit Jahrzehnten in diversen Ärzteverbänden in führender Position tätigen Radiologen. Nur fragte sich der Zuschauer der Talkrunde von Anne Will unter Umständen, warum das gepflegte Glas Mineralwasser nicht genügen sollte. Wäre es nicht nötig gewesen, auf die Gefahren des Alkoholkonsums hinzuweisen? Zehntausende Tote werden jährlich diesem Laster zugerechnet. Aber es ging es natürlich nicht um den Alkoholismus, sondern die Coronavirus-Pandemie. Und das Gläschen Rotwein des im vergangenen Jahr in Chile zum Präsidenten des Weltärztebundes gewählten Montgomery betraf die Zukunft von Bars und Gaststätten. Für Montgomery haben die keine Zukunft mehr, wenigstens wenn es über das beschauliche Nippen am verwegenen Gläschen Rotwein hinausgehen sollte.





