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Neue Seewege : Das Schiff, das aus der Kälte kam

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2012 zählte die in Moskau sitzende Verwaltung des Nördlichen Seewegs 46 Frachter mit 1.262.000 Tonnen. Alles deutet darauf hin, dass die Nordostpassage eine reguläre Schifffahrtsroute wird, wenngleich als nationale Wasserstraße unter der Jurisdiktion Russlands. Die Vereinigten Staaten akzeptieren diesen Anspruch nicht, sie pochen auf freie Passage. Die Vorteile des Seewegs liegen auf der Hand: Für die Route von Hamburg nach China, Japan und Korea spart ein Schiff rund ein Drittel der Zeit, der Treibstoffverbrauch sinkt dementsprechend.

Die Ersparnis bedeutet je Reise mehrere hunderttausend Dollar, so dass selbst die im Vergleich zum Suezkanal höheren Gebühren immer noch einen satten Vorteil gewähren. Die günstige Verbindung gilt allerdings nur für Ostasien. Damit scheidet der Nördliche Seeweg für die Containerschifffahrt aus, die auf der West-Ost-Route auch Häfen im Mittelmeer, im Nahen Osten, in Indien und Südostasien anläuft.

Die „Ob River“: Vorbote einer neuen Ära der Arktis

Zu Euphorie besteht kein Anlass. Die Seefahrt ist immer noch schwierig genug, schließlich beherrschen die drei großen Hemmnisse der Arktis - Eis, Kälte, Finsternis - immer noch die übrige Jahreszeit. Zwei Monate im Jahr herrscht Dunkelheit. Die Bedingungen sind oft genug so, als ob man nachts bei minus 30 Grad und heulendem Wind im Schein einer Taschenlampe einen Autoreifen wechseln müsste. Normaler Stahl wird spröde, Gummi zerbröckelt, Schmieröl wird fest, Tanks mit Flüssigkeiten sind ständig zu heizen.

Da die Schiffe bei Nebel Eis ansetzen und zu kentern drohen, müssen die Aufbauten regelmäßig per Hand enteist werden. Nicht umsonst hat Russland begonnen, neue Eisbrecher zu bauen, mächtiger als je zuvor, nicht umsonst bauen die Energie-Multis Tanker und Versorgungsschiffe, die im Eis bestehen können. Die spektakulärste Passage 2012 war die Fahrt des eisverstärkten Tankers „Ob River“, der für Gasprom eine Ladung Flüssiggas (LNG) nach Asien transportierte.

Die „Ob River“ könnte der Vorbote einer neuen Ära der Arktis sein: Von den drei unterschiedlichen Verkehren auf der Nordost-Passage - dem innerrussischen Transport zur Versorgung der Häfen an der sibirischen Küste, dem Transitverkehr zwischen Europa und Ostasien und dem Transport von Rohstoffen - wird die Gewinnung von Erzen, Rohöl und Flüssiggas (LNG) in den nächsten Jahren massiv zunehmen, und zwar das ganze Jahr hindurch, auch im Eis.

Eine großer Ermessensspielraum

Schon jetzt haben sich Unternehmen wie Norilsk Nickel und Gasprom mit eisgehenden Frachtern und Tankern versorgt, die meist Eis bis zu 1,5 Meter brechen können und im Grunde mittelstarke Eisbrecher sind, die viele Fahrten im Winter ohne Eisbrecherbegleitung bewältigen können. Russland ist entschlossen, den Nördlichen Seeweg auszubauen und mehr Verkehr auf die Route zu lenken. Das neue Gesetz zum Nördlichen Seeweg, seit Anfang des Jahres in Kraft, lockert die Bestimmungen insofern, als Schiffe ohne oder mit nur geringer Eisverstärkung im Sommer die Route befahren dürfen. Eine „Kann“-Bestimmung, was oft übersehen wird.

Die Regelungen des Gesetzes sind sehr allgemein gehalten und lassen jederzeit zu, dass eine Passage abgelehnt wird - aufgrund der Eislage, der Gegebenheiten des Schiffs oder der Ausrüstung. Ohnehin behält sich die Verwaltung des Nördlichen Seewegs in Moskau vor, die Route festzulegen und die Frage der Eisbrecherbegleitung zu entscheiden. Ob Schiffe, die die Route mehrmals im Jahr befahren, von den Inspektionen befreit sind, ist ebenfalls nicht bekannt. Das neue Gesetz lässt einen großen Ermessensspielraum offen, und wie die Bestimmungen letztendlich umgesetzt werden, ist offen.

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