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Robert E. Lee : Der missgedeutete Südstaaten-General

Ein General verliert sein Gesicht: Beschädigte Statue von Robert E. Lee in Durham im Bundesstaat North Carolina Bild: AFP

Robert E. Lee war im amerikanischen Bürgerkrieg der erfolgreichste Heerführer der Sklavenhalterstaaten. Bürgerrechtler wollen seine Statuen deshalb nun entfernen lassen. Der General würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, wer sich heute auf ihn beruft.

          Historisch wichtige Personen versuchen seit ewigen Zeiten, ihr Bild in der Geschichte zumindest vorzuformen. Und obwohl die Memoirenliteratur längst nicht mehr zu überschauen ist, scheitern solche Versuche seit ewigen Zeiten immer wieder. Das liegt, neben der notorischen Unzuverlässigkeit so mancher „Lebenserinnerungen“, zum Teil an mangelnder Überlieferung. Vor allem aber liegt es daran, dass sich jede Gegenwart ihr Bild der Vergangenheit neu zeichnet. Und so kann man fragen, wie sich General Robert E. Lee fühlen würde, wenn er sehen könnte, wer sich heute um Statuen schart, die den Soldaten zeigen, der als der wohl begabteste militärische Anführer gilt, den die Konföderierten Staaten von Amerika, die sich 1861 von den Vereinigten Staaten losgesagt hatten, besaßen.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Auf Lee berufen sich heute Menschen, mit denen sich der Berufssoldat mutmaßlich niemals gemein gemacht hätte. Lee gehörte nicht zu denen, die Sklaverei und alles, was damit einherging, für etwas quasi Gottgewolltes hielten. Aber er glaubte, dass auf diese Weise das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe am besten geregelt werden könne. Er war ganz sicher kein feuriger Rassist; eine Erkenntnis, die manchem heutigen Lee-Apologeten offenbar nicht bewusst ist. Fünf Jahre vor Beginn des Bürgerkriegs nannte er in einem Brief an seine Frau die Sklaverei sogar „böse“. Aber die Gleichberechtigung der Unterdrückten verschob er sozusagen ins Jenseits. Das sei Sache eines göttlichen Ratschlusses, nicht irdischer Kontroversen.

          Die Proklamation der Sklavenbefreiung durch Präsident Abraham Lincoln empfand Lee denn auch als Aggression, als Versuch der Union, die im Süden übliche Lebensweise zu zerstören. Dieser Lebensweise, die er als Grundlage des Gemeinwesens empfand, fühlte sich Lee eng verbunden. Entsprechend urteilen Historiker auch über die Loyalität(en) Lees. Vor allem fühlte er sich seinem und seiner Familie Heimatstaat Virginia verbunden. Der Absolvent der berühmten Militärakademie West Point sah sich aber auch als loyaler Bürger der Vereinigten Staaten – zumindest so lange, wie die Grundfesten seiner Lebensüberzeugungen nicht angetastet wurden. Dementsprechend war sein Weg zum Heerführer der Konföderation keineswegs vorgezeichnet. Als der Abfall der Südstaaten von den Vereinigten Staaten konkret wurde, trug Präsident Lincoln Lee das Kommando über die Armee an, die die Sezession bekämpfen sollte. Als sich allerdings Lees Heimatstaat Virginia den Südstaaten anschloss, stand dies für Lee nicht mehr zur Debatte. Er sandte einen Brief an die Armee der Vereinigten Staaten, in dem er den Abschied von seinem Offiziersposten erklärte. Danach stellte er sich in den Dienst Virginias. Von der Weisheit der Sezession war er nicht hundertprozentig überzeugt. Aber es kam für ihn nicht in Frage, die Waffe gegen „seinen“ Süden zu erheben.

          Blutiger Wendepunkt Gettysburg: Als konföderierte Soldaten ausstaffierte Amerikaner stellen die entscheidende Schlacht im amerikanischen Bürgerkrieg nach.

          Nach Kriegsende erklärte Lee sein Verhalten in einem Brief. Darin heißt es, er habe immer danach gestrebt, das Richtige zu tun. Nur könne das Richtige in unterschiedlichen Situationen sehr verschieden definiert werden. Er berief sich auf George Washington, den „Vater“ der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten. Dieser habe zunächst im Dienst der britischen Krone gegen die Franzosen gekämpft, später dann mit den Franzosen im Namen der Unabhängigkeit der Amerikaner gegen den britischen König.

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