NSU-Abschlussbericht : Wie kaputt ein Teil dieses Landes sein muss

Drei Bände, fast zweitausend Seiten, ein deutscher Roman: Der Thüringer Untersuchungsausschussbericht zum NSU liest sich wie ein großes literarisches Werk voller Widersprüche und Lügen.
„Gehe zum nächsten KZ“, das steht auf einer Karte des Neonazi-Spiels „Pogromly“, einer Karte, die einige Thüringer Verfassungsschützer vielleicht schon mehrmals gezogen haben. „Pogromly“ ist eine Art Monopoly für Rechtsextremisten, verkauft von Rechtsextremisten, um Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos im Untergrund zu finanzieren. Sieben Spiele wurden 2011 im Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz gefunden. Sieben Spiele für siebenhundert Mark, mit denen die Behörde Ende der neunziger Jahre die Untergetauchten mitfinanzierte. Warum sieben Exemplare? Vielleicht weil die Beamten ab und an selbst mal „Pogromly“ gespielt haben. Doch das ist nur eine persönliche, böse Mutmaßung ohne Beweis, die sich in den Kopf schleicht, wenn man den neuesten deutschen Roman liest, der eigentlich kein Roman ist – vielleicht aber doch.





