Ivo Andric: Die Entwicklung des geistigen Lebens in Bosnien : Leben unter dem muslimischen Joch

Es gibt zwar keine gute deutsche Biographie über den Literaturnobelpreisträger Ivo Andric, doch nun liegt seine Dissertation vor. Dort keimen die Motive seines späteren Werks.
Ivo Andric, der Literaturnobelpreisträger von 1961, gehört zu jenen Trägern dieser Auszeichnung, die immer noch gelesen werden. Sein Werk liegt nahezu vollständig auf Deutsch vor, viele Bücher sind weiterhin lieferbar, zum Teil in Neuauflagen. In allen Weltsprachen hat Andric seine Lesergemeinde. Kaum zu überschätzen ist sein andauernder Einfluss im früheren Jugoslawien und dort vor allem in Serbien, wo die Werke des in Bosnien geborenen und aufgewachsenen Kroaten seit Generationen Schullektüre sind. Ausgerechnet in Bosnien tun sich einige nationalistische Vorredner der muslimischen Mehrheitsbevölkerung allerdings schwer mit Andrics Werken, denen sie eine „antitürkische“ Stoßrichtung unterstellen. Nun war Andric viel zu klug und begabt, um als Literat ein Nationalist zu sein. Doch fällt tatsächlich auf, dass das türkische Personal seiner Werke oft als rückständig und lasterhaft beschrieben wird. War der Wahl-Belgrader Andric also wirklich jener „Türkenhasser“, als den ihn seine Gegner in Bosnien verunglimpfen?





