Was hat Paris nur falsch gemacht?

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Vor etwas mehr als einem Jahr hat sich Michael Paris im Geiste schon als Frankfurter Oberbürgermeister gesehen. Er musste dem Genossen Peter Feldmann den ...

Vor etwas mehr als einem Jahr hat sich Michael Paris im Geiste schon als Frankfurter Oberbürgermeister gesehen. Er musste dem Genossen Peter Feldmann den Vortritt lassen. Danach strebte er ein Landtagsmandat an. Auch dieser Traum ist geplatzt. Der Genosse Jürgen Gasper war ihm am Mittwochabend bei der SPD-Wahlkreisdelegierten-Konferenz eine Nasenlänge voraus. Genauer gesagt: drei Stimmen. Was hat Paris nur falsch gemacht? Als der stellvertretende SPD-Vorsitzende Eugen Emmerling das knappe Ergebnis verkündete, brachen die Anhänger des Siegers nicht in Jubel aus, wie das sonst bei solchen Gelegenheiten üblich ist. Vielmehr herrschte eine merkwürdige, fast beklommene Stille. Huch, was habe ich da angerichtet, schien sich der eine oder andere Delegierte, der für Gasper gestimmt hatte, gefragt zu haben. Bei derartigen Abstimmungen können Delegierte ihr Herz oder ihren Verstand sprechen lassen. In diesem Fall haben viele den Verstand hintangestellt und nach dem Herzen entschieden. Die Ratio hätte ihnen gesagt, dass Paris bessere Chancen gehabt hätte, den Wahlkreis 38 für die SPD zu gewinnen. Zum einen ist ihm dies schon zweimal gelungen, zum anderen kann Paris Wahlkampf wie kaum ein Zweiter. Und drittens ist er in der Stadt bekannt wie ein bunter Hund. Bei der Kommunalwahl haben ihn die Wähler denn auch von einem hinteren Platz auf einen der vorderen befördert. Außerdem ist Paris über seinen Schatten gesprungen und hat Feldmann im Oberbürgermeister-Wahlkampf durchaus solidarisch unterstützt. Dafür konnte er eigentlich von seiner Partei eine Belohnung erwarten. So sprach der Verstand und trat in einen Widerstreit mit dem Herzen, das sagte: wenn da nur nicht dieser Zug von Überheblichkeit bei Paris wäre. Er mag ja darauf hinweisen, dass er seit 40 Jahren Genosse sei und dass sein Vater auch schon Genosse gewesen sei und dass er in seiner Jugend im Riederwald im sozialdemokratischen Milieu gebadet habe. Aber irgendwie, so flüstert das Herz dem gemeinen Sozi zu, ist dieser Paris etwas abgehoben. Ein Politiker, der zu viel für sich und zu wenig für die große sozialdemokratische Sache kämpft. Außerdem ist er ein „Rechter“, was in der Frankfurter SPD nicht gerade von Vorteil ist. Sein Konkurrent Gasper dagegen spricht Herz und Verstand an. Kind eines Maurers, hat sich durchgebissen und hochgearbeitet zum Verwaltungsrichter. So etwas rührt die sozialdemokratische Seele. Reden kann er auch, und von Arroganz ist keine Spur zu entdecken. Also haben sie Gasper gewählt. Und Paris muss ehrenamtlicher Stadtrat bleiben. (rieb.)

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