Südsee und Panama
Das Meer ist ihm immer geblieben. Gesegelt sind wir zusammen. Einmal nur. Vor der Atlantikküste, wo die Soldaten liegen, hat er die Schoten dicht gezogen, das ...
Das Meer ist ihm immer geblieben. Gesegelt sind wir zusammen. Einmal nur. Vor der Atlantikküste, wo die Soldaten liegen, hat er die Schoten dicht gezogen, das Focksegel auf Achtern gesetzt. Er erzählte von seinen Törns um die Welt, damals im Herbst mit alten Freunden - Südsee und Panama -, und hat mit seinen blauen Augen aufs Meer geschaut. Am Abend hat er gelesen, „Moby Dick“, und dazu wild geraucht. Seine Stimme kannten Legionen, und doch war es, als spreche sie jedes Mal nur für sich. Ich hab’ ihn gesehen, im Kino und in der Bar, vor allem im Theater: als Krapp vor den Schachteln zum Beispiel, so herzzertrümmernd, so schmerzverliebt. Der alte Mann und das Meer. Das Meer ist ihm immer geblieben, auch wenn es manchmal verschwamm, er hat ihn nie vergessen, seinen „Traum von der Stunden Dauer, Wechsel und Wiederbeginn“. Rilke und Hemingway, Ringelnatz, Kleist und alle anderen, sie blieben seine treue Besatzung, ein Leben lang. Bis ans Ende der Welt ist er gefahren und hat sie alle gesehen. Wie sehr er dabei lachen konnte und weinen, und den rotglänzendem Schnurrbart zwirbeln. Als „Hauptmann von Köpenick“ hat er ins Publikum gerufen: „Wat haste jemacht mit dein Leben?“ und den Kragen hochgestellt. Das Meer ist ihm immer geblieben. Auch in Bochum und Salzburg und nachts um halb drei in Paris, oder war es in der Bar? Nun ist er wieder zur See gefahren, an Bord viele Freunde, viel Glück, gute Fahrt - ans Lenkrad gelehnt steht er da, ein Lächeln umspielt seine Lippen, ein tiefes Seufzen, um dann den Atem zu heben: Nur hier, nur hier ist das Leben! Zurück kommst du nicht mehr, jetzt nicht mehr, „wo dieses Feuer in Dir brennt“, wie es bei Beckett heißt. Wie gern wär ich noch mal mit dir gesegelt, weit weg, ins Blaue hinein. Zurück bleibt deine Stimme und das Lachen. Und eine Plakette in der Bar. Dort steht nun keiner mehr. Einmal noch hast du mir aus Hiddensee geschrieben: „Gottes sind Wogen und Wind, Segel aber und Steuer, daß ihr den Hafen gewinnt, sind euer!“ Jetzt hast du Fahrt aufgenommen, neuer Lee-Kurs, hart am Wind. Ein Steuermann warst du, mit langem Landaufenthalt. Ein Berliner Engel mit Sehnsucht zur See.





