Klagenfurt-Blog : Maria, Maria, Maria

Das Wettlesen in Klagenfurt hat wieder begonnen. Nach den Worten des Juryvorsitzenden soll der Bachmann-Preis quer zum Markt stehen. Bei der Auftaktveranstaltung war davon aber noch nichts zu bemerken.
Manchmal ist die Musik, die einen Festakt begleitet, eindeutig mehr als bloße Untermalung, und man fragt sich, ob das fabelhafte Saxofonisten-Quartett „Carinthia“ gestern Abend, zur Eröffnung der 40. „Tage der deutschsprachigen Literatur“ in Klagenfurt, mit Bedacht das Lied „Somewhere“ aus der West Side Story spielte, das Bekenntnis also, es gebe da einen Platz für uns, irgendwo, just nachdem der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels versucht hatte, die Rolle der Literaturkritik in der Gegenwart zu umreißen. Man könne den Wettbewerb, abgehalten im Namen Ingeborg Bachmanns, durchaus als ein Erbe der „Gruppe 47“ ansehen, sagte Winkels, weil die Autorenvereinigung damals das Eindringen der Kritiker nicht vertragen hätte und diese daraufhin eine neue Organisationsform für den Austausch über Texte gesucht und gefunden hätten. Dass das zunächst auch zulasten der in Klagenfurt lesenden Autoren gehen konnte und oft genug auch ging, sprach Winkels ebenfalls an, heute sei da allerdings eher ein „kooperatives Verhältnis“ zwischen Autoren und Kritikern, ein auf Argumente gestützter Austausch der Jury, und so stehe Klagenfurt jedenfalls derzeit „quer zum Markt, der sich gern an der Kritik vorbei organisiert.“


