Bachmann-Wettbewerb : Komm morgen wieder, Wirklichkeit

Viel Likör, aber kaum etwas zu essen! Fressrekorde im Trainingslager! Beschwipste Krähenverscheucher! Während fünf Autoren in Klagenfurt die Wirklichkeit vertrösten, tut der ORF etwas für die Einschaltquote.
Unter die vielen Gefährdungen, denen der Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis ausgesetzt ist, zählt auch der argwöhnische Blick auf die Quote. Wenn man danach ginge, wie viele Menschen tatsächlich vor dem Fernseher die Veranstaltung verfolgten, so hieß es auf der Eröffnungsveranstaltung am Mittwoch, könnte man sich die Sache eigentlich nicht mehr leisten, aber natürlich leiste man sie sich trotzdem. Das heißt freilich nicht, dass man die Lage einfach so hinnimmt. Der ORF hat jedenfalls in seinem Klagenfurter Studio, wo der Wettbewerb traditionell durchgeführt wird, ein raffiniertes Mittel eingesetzt, um die Quote zu steigern: Die ohnehin knappen Plätze im Saal wurden am Freitag durch den Besuch einer Schulklasse noch einmal beschränkt, und wer nicht mindestens eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn vor der geschlossenen Tür stand, der bangte um seinen Platz. Wer aber nicht hinein kam und trotzdem den Wettbewerb verfolgen wollte, landete notgedrungen vor dem Fernseher und bescherte so der Quote womöglich ein sattes Plus.


