WERTSCHÖPFUNG IM WANDEL : Transformation braucht ein Geschäftsmodell

Effizientere Flugzeuge, kreislauffähiger Stahl und ressourcenschonende Maschinen: Drei Unternehmen zeigen, wie sich Nachhaltigkeit in globalen Wertschöpfungsketten verankern lässt – und wo sie an Grenzen stößt.
Nachhaltigkeit muss sich im Wettbewerb behaupten. Langfristige Investitionen stehen unter kurzfristigem Kostendruck. Wie diese Gratwanderung gelingt, diskutierten Bettina Petzold von Lufthansa Cargo,
Michaela Thiel von Körber und Uwe Reinecke von FERALPI STAHL mit F.A.Z.-Wirtschaftsredakteur Daniel Schleidt. Ihre Ansätze unterscheiden sich, der gemeinsame Nenner ist Effizienz. Für Petzold, Head of Corporate Responsibility bei Lufthansa Cargo, sind neue Technologien und ein effizienterer Flugbetrieb zentrale Hebel. Moderne Flugzeuge und geringerer Luftwiderstand können den Energiebedarf senken. Doch die Möglichkeiten innerhalb des Unternehmens reichen nicht aus. Für weitere Fortschritte braucht es nachhaltige Kraftstoffe – und Kunden, die deren Mehrkosten mittragen. Die Frage, wie sich Nachhaltigkeit wirtschaftlich vermarkten lässt, beschäftige sie täglich. Spediteure müssten verstehen, wofür sie bezahlen und welchen Nutzen sie erhalten.
Kreisläufe beginnen beim Rohstoff
Bei FERALPI STAHL setzt die Transformation bereits vor dem eigentlichen Schmelzprozess an. Als Betonstahlhersteller ist das Unternehmen aus Riesa ein Vertreter der Sekundärroute – das bedeutet, dass Stahl nicht aus Eisenerz gewonnen, sondern aus Metallschrotten hergestellt wird. General Manager Uwe Reinecke würde Besucher zuerst zur neuen Schrottaufbereitung führen: Je sauberer und stückiger der Sekundärrohstoff aufbereitet wird, desto höher ist die Schüttdichte und desto günstiger sind die Voraussetzungen für einen energieeffizienten Schmelzprozess im Elektrolichtbogenofen. Beim Schmelzvorgang selbst nutzt das Werk die Abwärme der Primärabsaugung zur Dampferzeugung. Dieser Dampf versorgt ein nahe gelegenes Reifenwerk und erzeugt zusätzlich Eigenstrom. Hinzu kommt die effiziente Nutzung von Wärme im Walzprozess: Im neuen Walzwerk B wird die Prozesswärme der heißen Stahlknüppel über den Direkteinsatz unmittelbar im Prozess genutzt. Das erforderliche Nachwärmen der heißen Stahlknüppel auf Walztemperatur erfolgt rein induktiv mit Strom statt mit Erdgas – das ermöglicht ein in Scope 1 emissionsfreies Walzen.
Die Investitionen von FERALPI STAHL zahlen sich durch verbesserte Effizienz und Produktivität aus. Dennoch fordert Reinecke wettbewerbsfähige Energiepreise und einen grünen Leitmarkt mit klaren Kriterien für den CO₂-Fußabdruck. Und die eigene Produktion ist nur ein Teil der Aufgabe: Um Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern, braucht das Unternehmen einen leistungsfähigen Schienengüterverkehr. Das Werk in Riesa hat Gleisanschluss, doch hier stößt der Gestaltungswille an Grenzen mit Blick auf das Angebot in der Eisenbahn-Logistik.
Gemeinsam entwickeln, dezentral umsetzen
Für Körbers Nachhaltigkeitschefin Thiel liegt eine große Herausforderung in den vor- und nachgelagerten Emissionen. Zulieferer und Kunden müssen deshalb Teil der Lösung sein. Zunächst gilt es, Transparenz zu schaffen: Welche Emissionen entstehen durch eingekaufte Materialien, Bauteile, Komponenten und Module, welche beim Betrieb einer Maschine? Ecodesign setzt früh an – mit weniger Bauteilen, anderen Materialien und effizienteren Anlagen. Solche Veränderungen brauchen Zeit, weil industrielle Innovationszyklen länger dauern als die Entwicklung einer neuen Softwaregeneration.
Damit Nachhaltigkeit keine abgeschottete Spezialdisziplin bleibt, muss die Verantwortung in die Fachbereiche reichen. Bei Lufthansa Cargo gehören Emissionsmanagement in den Flugbetrieb, Wirtschaftlichkeitsbewertung ins Controlling und nachhaltige Produkte ins Produktmanagement. Körber verbindet zentrale Ziele mit Gestaltungsspielraum vor Ort. Das Prinzip: Die Strategie gibt die Richtung vor; wirksam wird sie durch diejenigen, die Anlagen, Prozesse und Kunden kennen.


