
„Weibliche Rollenvorbilder spielen eine entscheidende Rolle“

Noch immer ist der Anteil an Frauen in MINT-Berufen verhältnismäßig gering. Wieso es wichtig ist, das zu ändern, erklärt Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, im Interview.
Frau Stark-Watzinger, wieso gibt es bei der Eingliederung von Frauen in technischen und wissenschaftlichen Berufen immer noch Probleme?
Die Studien- und Berufswahl ist eine sehr persönliche Entscheidung. Neben ihren Talenten, Vorstellungen und Lebensplänen orientieren sich junge Menschen dabei auch an ihrem Umfeld. Ein junges Mädchen wird vermutlich eher auf die Idee kommen, Physikerin werden zu wollen, wenn es bereits selbst einmal einer Naturwissenschaftlerin begegnet ist. Weibliche Rollenvorbilder im MINT-Bereich, aber auch die klischeefreie Ermutigung durch Schule und Elternhaus spielen eine entscheidende Rolle. Dies gilt auch für die Medien: Die Macht der Bilder ist ein zentraler Faktor, um junge Mädchen für MINT-Berufe zu begeistern.
Die Studien- und Berufswahl ist eine sehr persönliche Entscheidung. Neben ihren Talenten, Vorstellungen und Lebensplänen orientieren sich junge Menschen dabei auch an ihrem Umfeld. Ein junges Mädchen wird vermutlich eher auf die Idee kommen, Physikerin werden zu wollen, wenn es bereits selbst einmal einer Naturwissenschaftlerin begegnet ist. Weibliche Rollenvorbilder im MINT-Bereich, aber auch die klischeefreie Ermutigung durch Schule und Elternhaus spielen eine entscheidende Rolle. Dies gilt auch für die Medien: Die Macht der Bilder ist ein zentraler Faktor, um junge Mädchen für MINT-Berufe zu begeistern.
Welche Nachteile ergeben sich daraus, dass Frauen in der MINT-Branche bis heute stark unterrepräsentiert sind?
In einer technisierten und digitalisierten Welt ist es für jede und jeden wichtig, sich mit MINT-Themen auseinanderzusetzen. Das ist eine Frage der gesellschaftlichen Teilhabe. Wirtschaftlich betrachtet, gehen uns enorme Potentiale verloren, wenn Frauen sich mehrheitlich gegen naturwissenschaftlich-technische Berufe entscheiden. Dies ist auch im internationalen Wettbewerb ein großer Nachteil, denn wir brauchen die besten Talente für die Innovationen von morgen. Außerdem sind gemischte Teams nachweislich erfolgreicher und kreativer. Diversität tut uns allen gut und ist nicht zuletzt auch ein Zeichen für eine starke Demokratie.
Was sind die größten Hürden für Frauen in der Technikbranche?
Mädchen verlieren oft im Jugendalter das Interesse an naturwissenschaftlich-technischen Themen. Sie unterschätzen sich nicht selten, sind selbstkritischer und haben weniger Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, was Naturwissenschaften angeht, als Jungen im gleichen Alter. Zudem verfügen viele Schülerinnen über zu wenige oder unzureichende Informationen über MINT-Berufe. Hinzu kommt, dass Frauen, die innovative Lösungen und Produkte entwickeln, dafür häufig weniger Anerkennung erfahren als ihre männlichen Kollegen und auch in der Technikbranche vom Gender-Pay-Gap betroffen sind. Frauen sind im MINT-Bereich oftmals deutlich weniger sichtbar und weniger präsent in der medialen Berichterstattung als Männer. Die Leistungen von Frauen im MINT-Bereich müssen also mehr Aufmerksamkeit bekommen. Denn eine stärkere Sichtbarkeit von Frauen in technischen Berufen kann dazu beitragen, dass sich andere Frauen an ihnen orientieren, ihr Selbstvertrauen gestärkt wird und tradierte Fächer- und Unternehmenskulturen aufbrechen.
In einer technisierten und digitalisierten Welt ist es für jede und jeden wichtig, sich mit MINT-Themen auseinanderzusetzen. Das ist eine Frage der gesellschaftlichen Teilhabe. Wirtschaftlich betrachtet, gehen uns enorme Potentiale verloren, wenn Frauen sich mehrheitlich gegen naturwissenschaftlich-technische Berufe entscheiden. Dies ist auch im internationalen Wettbewerb ein großer Nachteil, denn wir brauchen die besten Talente für die Innovationen von morgen. Außerdem sind gemischte Teams nachweislich erfolgreicher und kreativer. Diversität tut uns allen gut und ist nicht zuletzt auch ein Zeichen für eine starke Demokratie.
Was sind die größten Hürden für Frauen in der Technikbranche?
Mädchen verlieren oft im Jugendalter das Interesse an naturwissenschaftlich-technischen Themen. Sie unterschätzen sich nicht selten, sind selbstkritischer und haben weniger Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, was Naturwissenschaften angeht, als Jungen im gleichen Alter. Zudem verfügen viele Schülerinnen über zu wenige oder unzureichende Informationen über MINT-Berufe. Hinzu kommt, dass Frauen, die innovative Lösungen und Produkte entwickeln, dafür häufig weniger Anerkennung erfahren als ihre männlichen Kollegen und auch in der Technikbranche vom Gender-Pay-Gap betroffen sind. Frauen sind im MINT-Bereich oftmals deutlich weniger sichtbar und weniger präsent in der medialen Berichterstattung als Männer. Die Leistungen von Frauen im MINT-Bereich müssen also mehr Aufmerksamkeit bekommen. Denn eine stärkere Sichtbarkeit von Frauen in technischen Berufen kann dazu beitragen, dass sich andere Frauen an ihnen orientieren, ihr Selbstvertrauen gestärkt wird und tradierte Fächer- und Unternehmenskulturen aufbrechen.
Wie können Frauen gezielter für die MINT-Branche begeistert werden?
Indem wir den Beitrag der MINT-Fächer zur Lösung von Zukunftsfragen etwa beim Klimaschutz stärker herausstellen, können wir Frauen gezielter ansprechen und für den MINT-Bereich begeistern. Mädchen und junge Frauen brauchen darüber hinaus vor allem Identifikationsfiguren und Rollenvorbilder, die sie inspirieren und ihnen Orientierung bieten. Der MINT-Aktionsplan, der alle Aktivitäten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in diesem Bereich zusammenführt, fördert eine Berufs- und Studienorientierung nach individuellen Interessen und Talenten, die von Geschlechterstereotypen und Rollenklischees unbeeinflusst ist. Darin enthalten sind auch außerschulische MINT-Initiativen. Mit Blick auf die Hochschulen sind zudem Mentoring-Programme, Netzwerktreffen und spezielle Coaching-Angebote für Studentinnen hilfreich, die eine Karriere im MINT-Bereich anstreben. Und natürlich braucht es hier auch die Unternehmen und Sozialpartner, die chancengerechte Arbeitsbedingungen sicherstellen müssen. Hier wurde auch schon viel geleistet, aber es muss weitergehen.
Indem wir den Beitrag der MINT-Fächer zur Lösung von Zukunftsfragen etwa beim Klimaschutz stärker herausstellen, können wir Frauen gezielter ansprechen und für den MINT-Bereich begeistern. Mädchen und junge Frauen brauchen darüber hinaus vor allem Identifikationsfiguren und Rollenvorbilder, die sie inspirieren und ihnen Orientierung bieten. Der MINT-Aktionsplan, der alle Aktivitäten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in diesem Bereich zusammenführt, fördert eine Berufs- und Studienorientierung nach individuellen Interessen und Talenten, die von Geschlechterstereotypen und Rollenklischees unbeeinflusst ist. Darin enthalten sind auch außerschulische MINT-Initiativen. Mit Blick auf die Hochschulen sind zudem Mentoring-Programme, Netzwerktreffen und spezielle Coaching-Angebote für Studentinnen hilfreich, die eine Karriere im MINT-Bereich anstreben. Und natürlich braucht es hier auch die Unternehmen und Sozialpartner, die chancengerechte Arbeitsbedingungen sicherstellen müssen. Hier wurde auch schon viel geleistet, aber es muss weitergehen.
Durch „Fridays for Future“ ist die Begeisterung für die Naturwissenschaften neu entflammt. Glauben Sie, dass dadurch auch mehr Frauen in Zukunft in MINT-Berufen arbeiten werden?
Das wäre doch ein guter Nebeneffekt. Denn Klimaschutz ist natürlich auch ein MINT-Thema. Hier wollen wir ansetzen. Das Potential für MINT ist dabei enorm. So machen sich rund 62 Prozent der jungen Frauen im Alter von 17 bis 24 große Sorgen um den Klimawandel. Auch durch eine stärkere Einbeziehung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen einschließlich der Chancen neuer Technologien in den Schulunterricht könnten mehr junge Frauen für eine Ausbildung oder ein Studium im MINT-Bereich gewonnen werden.
Das wäre doch ein guter Nebeneffekt. Denn Klimaschutz ist natürlich auch ein MINT-Thema. Hier wollen wir ansetzen. Das Potential für MINT ist dabei enorm. So machen sich rund 62 Prozent der jungen Frauen im Alter von 17 bis 24 große Sorgen um den Klimawandel. Auch durch eine stärkere Einbeziehung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen einschließlich der Chancen neuer Technologien in den Schulunterricht könnten mehr junge Frauen für eine Ausbildung oder ein Studium im MINT-Bereich gewonnen werden.
Wie hat sich die Anzahl an MINT-Absolventinnen in den vergangenen Jahren entwickelt?
Die Zahl der MINT-Studienanfängerinnen hat sich von 2008 bis 2019 in absoluten Zahlen von 60.000 auf 119.000 nahezu verdoppelt. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Der prozentuale Anteil fällt geringer aus, was daran liegt, dass sich auch immer mehr Männer für ein MINT-Studium entscheiden. Es gibt zudem innerhalb der MINT-Fächer gravierende Unterschiede. So lag der Anteil der Studienanfängerinnen im Fach Chemie im Jahr 2020 bei 50,4 Prozent, in der Elektrotechnik hingegen nur bei 16,6 Prozent.
Die Zahl der MINT-Studienanfängerinnen hat sich von 2008 bis 2019 in absoluten Zahlen von 60.000 auf 119.000 nahezu verdoppelt. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Der prozentuale Anteil fällt geringer aus, was daran liegt, dass sich auch immer mehr Männer für ein MINT-Studium entscheiden. Es gibt zudem innerhalb der MINT-Fächer gravierende Unterschiede. So lag der Anteil der Studienanfängerinnen im Fach Chemie im Jahr 2020 bei 50,4 Prozent, in der Elektrotechnik hingegen nur bei 16,6 Prozent.
Was tut die Politik, um MINT-Berufe für Frauen attraktiver zu gestalten?
Mir ist es sehr wichtig, die Repräsentanz von Frauen im MINT-Bereich weiter zu erhöhen und das MINT-Potential von Frauen nachhaltig zu stärken. Hierfür braucht es auch und vor allem strukturelle Veränderungen und attraktive Angebote für jede neue Generation von Schulabsolventinnen. Mit der Förderrichtlinie „MissionMINT – Frauen gestalten Zukunft“ unterstützt das Bundesforschungsministerium daher speziell die Gewinnung und den Verbleib von jungen Frauen in akademischen MINT-Berufen. Auch mit dem Girls’ Day, dem Mädchen-Zukunftstag, wird jedes Jahr ein wichtiger Beitrag geleistet, Geschlechterklischees gesamtgesellschaftlich zu überwinden. Aber es ist nicht nur Aufgabe der Politik, für Veränderungen zu sorgen. Insbesondere sind hier die Unternehmen, Sozialpartner und auch die Fachverbände gefragt. Hier wurde auch schon einiges erreicht, beispielsweise im Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen.
Mir ist es sehr wichtig, die Repräsentanz von Frauen im MINT-Bereich weiter zu erhöhen und das MINT-Potential von Frauen nachhaltig zu stärken. Hierfür braucht es auch und vor allem strukturelle Veränderungen und attraktive Angebote für jede neue Generation von Schulabsolventinnen. Mit der Förderrichtlinie „MissionMINT – Frauen gestalten Zukunft“ unterstützt das Bundesforschungsministerium daher speziell die Gewinnung und den Verbleib von jungen Frauen in akademischen MINT-Berufen. Auch mit dem Girls’ Day, dem Mädchen-Zukunftstag, wird jedes Jahr ein wichtiger Beitrag geleistet, Geschlechterklischees gesamtgesellschaftlich zu überwinden. Aber es ist nicht nur Aufgabe der Politik, für Veränderungen zu sorgen. Insbesondere sind hier die Unternehmen, Sozialpartner und auch die Fachverbände gefragt. Hier wurde auch schon einiges erreicht, beispielsweise im Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen.
Welche Aufgabe fällt dabei den Unternehmen zu?
Der Kulturwandel zu Chancengerechtigkeit und gleichberechtigter Teilhabe von Frauen und Männern im MINT-Bereich ist eine herausfordernde gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Unternehmen wollen attraktive Arbeitgeber für hervorragend qualifizierte weibliche MINT-Nachwuchskräfte sein. Sie haben in den vergangenen Jahren deshalb bereits viel in geschlechtersensible Personalrekrutierung und -entwicklung investiert. Damit es gelingt, die Talente und Potentiale von Frauen im MINT-Bereich künftig noch stärker nutzen zu können, müssen weiter innovative und transferorientierte Konzepte in der Arbeitswelt umgesetzt werden. Gendersensible Stellenausschreibungen, stereotypfreie Auswahlverfahren, neue Arbeitskonzepte wie geteilte Führung und Fachkarrieren, Maßnahmen für eine bessere Work-Life-Balance, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, auch durch eine weitere Flexibilisierung im Zeitmanagement, sowie eine wertschätzende Unternehmenskultur sind wichtige Stellschrauben für Unternehmen.
Der Kulturwandel zu Chancengerechtigkeit und gleichberechtigter Teilhabe von Frauen und Männern im MINT-Bereich ist eine herausfordernde gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Unternehmen wollen attraktive Arbeitgeber für hervorragend qualifizierte weibliche MINT-Nachwuchskräfte sein. Sie haben in den vergangenen Jahren deshalb bereits viel in geschlechtersensible Personalrekrutierung und -entwicklung investiert. Damit es gelingt, die Talente und Potentiale von Frauen im MINT-Bereich künftig noch stärker nutzen zu können, müssen weiter innovative und transferorientierte Konzepte in der Arbeitswelt umgesetzt werden. Gendersensible Stellenausschreibungen, stereotypfreie Auswahlverfahren, neue Arbeitskonzepte wie geteilte Führung und Fachkarrieren, Maßnahmen für eine bessere Work-Life-Balance, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, auch durch eine weitere Flexibilisierung im Zeitmanagement, sowie eine wertschätzende Unternehmenskultur sind wichtige Stellschrauben für Unternehmen.
Das Interview führte Kim Berg.


