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Wissenschaft in Zeiten der Finanzkrise : Spaniens Astronomen in Geldnöten

  • -Aktualisiert am

Das deutsch-spanische Observatiorium CAHA auf dem Calar Alto Bild: Santos Pedras

Es war einst ein Vorzeigeprojekt deutsch-spanischer Zusammenarbeit - das Observatorium auf dem Calar Alto. Jetzt ist die Einrichtung von Sparmaßnahmen bedroht. Wie geht es weiter?

          2 Min.

          Das deutsch-spanische Zentrum für Astronomie auf dem 2200 Meter hohen Calar Alto in Andalusien steht vor einer ungewissen Zukunft. Sogar die Schließung der 1975 gegründeten Einrichtung sei nicht ausgeschlossen, befürchtet Javier Gorgas, Präsident der astronomischen Gesellschaft Spaniens. Damit verlöre der europäische Kontinent sein größtes astronomisches Observatorium. Bereits jetzt könnten die Gehälter der rund vierzig Mitarbeiter nur aus angesparten Geldern bezahlt werden. Der Grund für die Misere seien die von der Regierung in Madrid im März angekündigten Einschnitte im Budget. Wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise stehen in Spanien derzeit viele Forschungsprojekte auf dem Prüfstand, erklärt Matilde Fernández, Direktorin des Instituto de Astrofísica de Andalucía (IAA) in Granada. Das IAA betreibt das Observatorium auf dem Calar Alto in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

          Die Max-Planck-Gesellschaft hatte das „Centro Astronómico Hispano-Alemán“ (kurz CAHA) in den siebziger Jahren rund 40 Kilometer nördlich der Stadt Almería errichtet. Lange Zeit erfüllte es die Aufgaben eines nationalen Observatoriums für deutsche Astronomen auf der Nordhalbkugel. Gegenwärtig trägt das Institut in Heidelberg noch etwa zwei Drittel der Betriebskosten, von 2014 an soll die Finanzierung zu gleichen Teilen zwischen beiden Partnern aufgeteilt werden. Von 2018 an will die Max-Planck-Gesellschaft ihre Unterstützung ganz einstellen. Ob die fünf optische Teleskope (mit Spiegeldurchmessern von einem bis 3,5 Meter) umfassende Sternwarte danach als rein spanische Einrichtung weiterbetrieben werden kann, ist nun fraglich: Bereits jetzt könne der Rat für wissenschaftliche Forschung (CSIC), der die Finanzierung auf spanischer Seite abwickelt, statt des vorgesehenen Anteils in Höhe von 1,5 Millionen Euro nur 600 000 Euro pro Jahr bereitstellen. Da sich damit auch der Anteil der deutschen Forschungsorganisation entsprechend verringert, stünden für den gesamten Betrieb der Einrichtung statt drei nur 1,2 Millionen Euro zur Verfügung - zu wenig, sagt Matilde Fernández.

          Panoramablick des Calar Alto mit dem Teleskopen des CAHA-Observatoriums.

          Konkurrenzort Chile

          Spanische Medienberichte, wonach Politiker der Regierungspartei PP den geplanten Rückzug der Deutschen als Grund für die eigenen Sparmaßnahmen nannten, weisen Gorgas und Fernández als Ablenkungsmanöver zurück. Auch Hans-Walter Rix vom Max-Planck Institut in Heidelberg kann diesen Vorwurf nicht nachvollziehen. Die deutschen Pläne seien seit Jahren bekannt und mit den spanischen Partnern abgesprochen. „Zwar ist der Calar Alto nach wie vor der beste astronomische Standort auf dem europäischen Festland. Gegenüber Chile etwa, wo die Europäische Südsternwarte Eso ihre großen Observatorien wie das Very Large Telescope oder Alma betreibt, ist die Zahl der nutzbaren Nächte aber deutlich geringer“, erklärt Rix im Gespräch. Ganz abgeschrieben ist das Observatorium auf dem Calar Alto nicht. Mehrere deutsche Institute beteiligten sich an der Entwicklung des Carmenes-Spektrographen, der Ende 2014 am größten Fernrohr des CAHA, einem Spiegelteleskop mit 3,5 Meter Durchmesser, in Betrieb gehen soll. Carmenes soll dort auf die Suche nach erdgroßen extrasolaren Planeten gehen.

          Geldsparen durch Schrumpfung

          Eine mögliche Alternative zur Schließung sei daher die Verkleinerung des Observatoriums auf das 3,5-Meter-Teleskop. Statt den Betrieb einer „Universalsternwarte“ zu gewährleisten, könnten sich die Forscher auf dem Calar Alto dann auf das Carmenes-Experiment konzentrieren, was die Betriebskosten senken würde. Diese Pläne seien allerdings ebenfalls nicht neu, sondern unabhängig von den nun aufgekommenen Sparzwängen schon länger in der Diskussion, so Rix. Matilde Fernández hofft jedenfalls, die Regionalregierungen Andalusiens und Almerías als neue Geldgeber zu gewinnen. Erste Gespräche seien positiv verlaufen.

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