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Volkswagen : Heftige Kritik an neuen Vergütungsregeln

Hohe Pensionszusagen an VW-Chef Müller – Stephan Weil, Ministerpräsident und VW-Aufseher, hat dem zugestimmt. Bild: AFP

VW deckelt zwar in Zukunft die Gehälter seiner Manager – die Pensionen bleiben jedoch unangetastet. Der Opposition in Niedersachsen gefällt das gar nicht. Vor allem Ministerpräsident Weil kommt schlecht weg.

          Das neue Vergütungssystem für die Spitzenmanager von VW stößt bei der Opposition im Niedersächsischen Landtag auf heftige Kritik. „Die Deckelung der Vorstandsbezüge bei Volkswagen ist voller Widersprüche und löst kein einziges Problem“, sagte der CDU-Landeschef Bernd Althusmann. FDP-Fraktionsvize Jörg Bode wertete es im Gespräch mit der F.A.Z. als „schweren Fehler“, dass der Aufsichtsrat neben den Bonuszahlungen nicht auch die Pensionen der VW-Spitzenmanager und die Entschädigungen bei vorzeitigem Ausscheiden gesenkt hat. „Nahezu alle anderen Dax-Konzerne haben sich hier bereits zu modernen Pensionsregelungen, die auch auf Eigenvorsorge setzen, verändert“, sagte er. „VW gewährt hier weiter üppige Pensionen, die nicht mehr in die Zeit passen und vom Arbeiter am Band erwirtschaftet werden müssen.“

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Althusmann und Bode griffen dabei vor allem Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) an, der für Niedersachsen als den zweitgrößten Anteilseigner im Aufsichtsrat von VW sitzt. „Erneut werden die von der SPD und ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz geforderten Regelungen durch Ministerpräsident Weil nicht eingeführt“, sagte Bode. Althusmann forderte, dass erst die Hauptversammlung von VW über das neue Vergütungssystem entscheiden sollte.

          Pensionen richten sich nach dem Fixgehalt

          Wie aus Aufsichtsratskreisen zu hören war, hat Weil im Kontrollgremium schärfere Einschnitte bei den Managergehältern angeregt. Er soll sich dort auch für gesetzliche Begrenzungen der Managergehälter offen gezeigt haben. Vor allem die Vertreter der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, aber auch der Vorstand hätten sich weiter gehenden Kürzungen aber widersetzt, ist in Wolfsburg zu hören. VW begrenzt das Einkommen des Vorstandschefs Matthias Müller von 2017 an auf maximal 10 Millionen Euro, für andere Vorstandsmitglieder gilt eine Obergrenze von 5,5 Millionen Euro. Die Kriterien für Bonuszahlungen wurden an strengere Kriterien und stärker an den Aktienkurs geknüpft. Im Gegenzug erhöht VW die Grundvergütung um bis zu 30 Prozent: auf 2,125 Millionen Euro für den Vorstandsvorsitzenden und 1,35 Millionen für die übrigen Vorstandsmitglieder. Der Vorstand habe einer Änderung seiner Verträge zugestimmt, sagte Müller.

          Wie zu hören war, gab es diese überraschend schnelle Zustimmung der Manager auch, weil der Aufsichtsrat die Altersversorgung für VW-Vorstände vorerst nicht antastet. „Da gab es wenig Bereitschaft“, war zu hören. Die Pensionen richten sich bei VW nach dem Fixgehalt. Mit der Neuregelung würden sie für den einen oder anderen Manager mit neueren Verträgen sogar steigen - deswegen hat VW auch hier offenbar eine Bremse eingezogen.

          „Aus dem Fall Hohmann-Dennhardt nichts gelernt“

          Doch auch damit sind Volkswagen-Manager bei den Pensionen weiter ganz oben mit dabei, obwohl die Regelungen 2015 für neue Verträge bereits geändert wurden und seitdem beitragsorientiert sind. Vorher waren sie - wie Beamtenpensionen - als Leistungszusagen garantiert. Nach der Neuregelung 2015 können die Pensionen jetzt noch auf bis zu 50 Prozent des Festgehalts steigen. Bei den älteren Verträgen waren es bis zu 70 Prozent, und diese üppigen Zusagen führten dazu, dass VW 2014 mit 138 Millionen Euro mit weitem Abstand die höchsten Pensionsrückstellungen für die aktiven Vorstände unter den Dax-Unternehmen ausgewiesen hatte.

          FDP-Mann Bode kritisiert auch, dass die Ablösesummen bei vorzeitigem Ausscheiden von Managern bleiben, wie sie sind. „Aus dem Fall Hohmann-Dennhardt haben Weil und die anderen Aufsichtsräte nichts gelernt“, sagte er. Christine Hohmann-Dennhardt war Ende Januar nach nur 13 Monaten als Vorstand für Integrität und Recht „in gegenseitigem Einvernehmen“ bei VW ausgeschieden und soll bis zu 15 Millionen Euro Abfindung bekommen haben. In Wolfsburg wurde am Wochenende spekuliert, dass Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch auch deswegen am Freitagabend nicht vor Medienvertretern die Beschlüsse des VW-Aufsichtsrats persönlich in Wolfsburg erläuterte. Pötsch soll bei seinem Wechsel vom Finanzvorstand in das Kontrollgremium ebenfalls die nach Corporate-Government-Kodex üblichen zwei Jahresgehälter als Ausgleichszahlung bekommen haben. Von 19,7 Millionen Euro war damals die Rede.

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