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Untersuchungsausschuss : Unruhe in der Beraterbranche

Bild: F.A.Z.

Die Berateraffäre im Verteidigungsministerium bringt viele unter unter Rechtfertigungsdruck. In der Branche der Unternehmensberater rumort es.

          Jetzt ist es so weit: Die Berateraffäre im Verteidigungsministerium wird Thema eines Untersuchungsausschusses. Mit den Stimmen von FDP, Grünen, Linken und AFD hat der Verteidigungsausschuss des Bundestages am Mittwoch die Untersuchung beschlossen; die Vertreter von CDU und SPD enthielten sich. Vor zwei Wochen war das Vorhaben der Opposition noch von Vertretern der Koalition verzögert worden, weil ihnen der Untersuchungsauftrag nicht konkret genug formuliert war. Nun haben sich beide Seiten auf einen Kompromiss geeinigt. Die SPD hatte im Vorfeld kritisiert, die Opposition solle nicht Zugriff auf mehr als 10 000 Beraterverträge bekommen. „Der Ausschuss wird zunächst rund 50 Beraterverträge des Ministeriums prüfen“, sagt Wolfgang Hellmich (SPD), der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, im Gespräch mit der F.A.Z. Nur falls sich daraus weitere Ungereimtheiten ergeben, werde man noch weitere Verträge untergeordneter Behörden prüfen. „CDU und SPD haben eingesehen, dass sie nicht um einen Untersuchungsausschuss herumkommen“, twitterte Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP: „Wir lassen uns nicht aufhalten von semantischem Klein-Klein.“

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Untersuchungsausschuss soll bis zum Sommer der Frage nachgehen, ob es bei der Vergabe von Aufträgen an externe Berater im Verteidigungsministerium mit rechten Dingen zuging. Mitte Februar soll die Arbeit beginnen, im März sollen Zeugen vorgeladen werden – etwa die frühere Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder, die bislang Fragen der Abgeordneten nur schriftlich beantworten wollte. Auch der Vorwurf der Vetternwirtschaft steht im Raum.

          Neben McKinsey ist vor allem Accenture im Zuge der Affäre in die Schlagzeilen geraten, weil sich deren Geschäft mit dem Ministerium in den vergangenen Jahren stark ausgeweitet hat. Für diese Steigerung – so lautet einer der Vorwürfe – sei vor allem ein junger Accenture-Berater verantwortlich, der auch privat ein enges Verhältnis zu einem Abteilungsleiter des Ministeriums gepflegt haben soll. Mit seinen guten Kontakten zur Bundeswehr soll sich der junge Berater sogar im Intranet von Accenture gebrüstet haben, berichtete zuletzt das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

          In der Branche der Unternehmensberater rumort es. Die Berater stehen unter Rechtfertigungsdruck. Viele fürchten, in der Öffentlichkeit für das Fehlverhalten einiger weniger in Sippenhaft genommen zu werden. Die Vorwürfe müssten sorgfältig geprüft werden, gibt der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) zu Protokoll. „Wir lehnen eine Umgehung des Vergaberechts genauso ab wie Patronage, Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung“, sagt BDU-Präsident Ralf Strehlau. Er fürchtet einen Imageverlust der ganzen Branche, was auch bei der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs schaden könnte.

          Der BDU wehrt sich zudem gegen die These, der deutsche Staat wäre „kaputtgespart worden“ und wäre daher heute Unternehmensberatern hilflos ausgeliefert. Zwar ist das Geschäft mit dem Staat in den vergangenen Jahren stark gewachsen, allerdings „nicht überproportional“, sondern im Gleichschritt mit dem Privatsektor. Unternehmensberater arbeiten dabei nicht nur für die Bundesministerien, sondern oft auch für Länder, Gemeinden und Stadtwerke. Die Tagessätze dort erreichten oft lange nicht die Größenordnung von rund 3000 Euro, über die jetzt in der Berateraffäre diskutiert wird, sagt Strehlau. In allen Branchen sei durch die Digitalisierung der Beratungsbedarf gestiegen. Nach einer Analyse des Verbandes greifen andere Staaten viel häufiger auf die Hilfe externer Berater zurück. Während in Deutschland die Berater nur rund 9 Prozent ihres Umsatzes im öffentlichen Sektor erwirtschaften, sind es in Spanien rund 15 Prozent, in Großbritannien 25 Prozent und in Amerika sogar 30 Prozent.

          tine.

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