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Tarifkonflikt : Verdi und Lufthansa setzen Verhandlungen fort

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Teilnehmer der Kundgebung am Frankfurter Flughafen auf dem Weg zu den Verhandlungen. Bild: dpa

Nach dem flächendeckenden Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals reden die Gewerkschaft Verdi und das Unternehmen wieder miteinander. Begleitet von Protesten einiger Beschäftigter trafen sich die Delegationen am Mittwoch am Frankfurter Flughafen zur dritten Runde der Tarifverhandlungen.

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          Die Parteien haben sich zwei Tage Zeit genommen, um sich zu den Gehältern und Arbeitsbedingungen für rund 20.000 Beschäftigte zu einigen. Für den Fall einer Nicht-Einigung hat Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle bereits mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen zur Hauptreisezeit gedroht. Sie verlangte, dass Lufthansa ein abschlussfähiges Angebot vorlegt. „Wir sind entschlossen“, sagte Christine Behle, die Verhandlungsführerin und stellvertretende Vorsitzende bei Verdi, zu Reuters. „Ich kann der Lufthansa nur raten, uns in diesen Verhandlungen deutlich entgegenzukommen“.

          Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann strebt laut einem intern verbreiteten Interview einen schnellen Abschluss noch in dieser Woche an. Er äußerte Verständnis für den starken Unmut in der Belegschaft: „Statt nun langsam wieder zu starten, sehen sich unsere Mitarbeitenden in großen Teilen mit extremen operativen Belastungen konfrontiert. Das führt zu viel Frust. Umso mehr gilt es jetzt, nach vorne zu schauen. Und da zählt, dass wir gemeinsam mit Verdi als Sozialpartner im Interesse unserer Mitarbeiter:innen eine Einigung erzielen.“

          Verdi hatte am vergangenen Mittwoch mit ihrem Warnstreik mehr als 1000 Lufthansa-Flüge und damit nahezu das gesamte Flugprogramm ausfallen lassen. Rund 134.000 Fluggäste mussten ihre Pläne ändern, etliche Passagiere strandeten an den Drehkreuzen.

          Lufthansa ist optimistisch

          Der Konzern zeigte sich zum Auftakt der neuen Runde optimistisch. „Wir setzen auf eine schnelle Einigung – bestenfalls noch diese Woche“, erklärte der Personalvorstand Michael Niggemann. „Wir sind dazu jedenfalls bereit“. Die Lufthansa habe sich während der ersten beiden Verhandlungsrunden schon deutlich auf Verdi zubewegt. So biete die Airline den rund 20.000 Beschäftigten der Lufthansa AG Boden, Lufthansa Technik, Lufthansa Cargo und anderen Töchtern des Konzerns Gehaltserhöhungen zwischen 15 Prozent in den unteren Lohngruppen bis knapp sechs Prozent bei höheren Grundvergütungen.

          Lufthansa Personalvorstand Michael Niggemann in der Verhandlung mit Verdi Vertretern.
          Lufthansa Personalvorstand Michael Niggemann in der Verhandlung mit Verdi Vertretern. : Bild: dpa

          Der Verhandlungsführerin Behle zufolge gibt es drei große Kritikpunkte an dem Angebot der Lufthansa: Die Laufzeit von 18 Monaten, die ergebnisabhängige Komponente von zwei Prozent und die Höhe des Angebots. Für die meisten Beschäftigten bedeute dies einen Reallohnverlust. Die Gewerkschaft verlangt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten durchgehend Gehaltssteigerungen von 9,5 Prozent, mindestens aber 350 Euro im Monat, woraus sich in den unteren Gehaltsgruppen höhere Steigerungen ergeben würden. Zudem sollen die Mindeststundenlöhne auf mindestens 13 Euro steigen und später einen tariflich fest vereinbarten Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn haben. Dieser steigt zum 1. Oktober dieses Jahres auf 12 Euro.

          Der Konzern hatte bei einer Laufzeit von 18 Monaten eine zweistufige Erhöhung der Grundvergütung um zusammen 250 Euro angeboten. Daraus ergäben sich für Vergütungsgruppen bis 3000 Euro brutto zweistellige Zuwachsraten, hatte das Unternehmen vorgerechnet. Zudem sollte es ab Juli 2023 für alle zwei Prozent mehr Geld geben, falls der Konzern wieder Gewinne macht. Diese Koppelung an das Konzernergebnis lehnt Verdi ebenfalls ab.

          Parallel führt die Lufthansa Sondierungsgespräche mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Deren Mitglieder haben bei einer Urabstimmung mit deutlicher Mehrheit unbefristete Streiks gebilligt, die aber zunächst nicht ausgerufen wurden. Hier signalisierte Niggemann die Bereitschaft, die zuvor einseitig vom Konzern gekündigte Perspektivvereinbarung wiederzubeleben. Sie hatte bis Ende 2021 garantiert, dass 325 Jets der Gesellschaften Lufthansa und Lufthansa Cargo den Stammpiloten vorbehalten bleiben.

          In der Luftfahrt knirscht es während der Hauptreisezeit gewaltig in den Abläufen, da fast überall nicht genug Personal für ein Verkehrsvolumen wie zu Spitzenzeiten von vor der Pandemie da ist. Die Lufthansa macht dafür in erster Linie Engpässe bei den Flughafendienstleistern verantwortlich.

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