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Interview mit Paul Achleitner : Cryan war zu langsam

Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner Bild: Wolfgang Eilmes

Warum bekommt Deutschlands größte Bank schon wieder einen neuen Chef? Im Gespräch mit der F.A.Z. erklärt der Aufsichtsratschef die Entscheidung, seine persönliche Rolle und worum es jetzt geht.

          Herr Achleitner, die Deutsche Bank erhält mit Christian Sewing  in sechs Jahren zum dritten Mal einen neuen Vorstandsvorsitzenden. In dieser Zeit hat sich der Aktienkurs in etwa halbiert. Welche Verantwortung tragen Sie als Aufsichtsratsvorsitzender für die Lage der Bank?

          Holger Steltzner
          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Natürlich trage auch ich Verantwortung in meiner Position. Aber ich bitte doch darum, die Aufgabenverteilung zu beachten: Die strategische und operative Verantwortung liegt beim Vorstand. Aufgabe des Aufsichtsrats ist es, zu beaufsichtigen und, ob die Strategie umgesetzt wird, Rat zu geben und gegebenenfalls personelle Konsequenzen zu ziehen. Und hier hat der Aufsichtsrat dem Vorstand und natürlich auch dem Vorsitzenden John Cryan frühzeitig die notwendigen Fragen gestellt.

          Sie gelten als ein Aufsichtsratsvorsitzender, der sich aktiv für das operative Geschäft interessiert.

          Natürlich interessiere ich mich für das Geschäft, alles andere wäre auch seltsam. Das heißt aber nicht, dass ich mich einmischen und gegen den Geist des Aktiengesetzes verstoßen würde. Ich führe durch Fragen. Man muss das Geschäft aber verstehen, um es zu beaufsichtigen.

          Woran ist John Cryan gescheitert?

          John Cryan hat sich ohne Zweifel um die Deutsche Bank verdient gemacht und viele große Entscheidungen wie die Kapitalerhöhung im vergangenen Jahr durchgesetzt. Damit hat er Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt. Allerdings haperte es bei der Geschwindigkeit, wie der Vorstand Entscheidungen trifft und deren Umsetzung durchsetzt. Fakt ist: Wir haben vor einem Jahr eine Kapitalerhöhung bei einem Aktienkurs von etwa 17 Euro angekündigt. Vergangene Woche lag der Aktienkurs zeitweise unter 11 Euro.

          Haben Sie sich auf der Suche nach einem neuen Vorstand auch externe Kandidaten angesprochen?

          Ja. Die in der Öffentlichkeit genannten Namen gehörten allerdings nicht dazu.

          Warum hat sich der Aufsichtsrat für Christian Sewing entschieden?

          Er ist sehr entscheidungsfreudig, sehr teamfähig und hat vielfach bewiesen, dass er konsequent umsetzen kann. Vor allem aber kennt er die Bank wie kaum ein anderer. Es geht nicht um eine weitere große Nabelschau, sondern wir müssen uns um unsere Kunden kümmern und das erreichen, was wir uns vorgenommen haben – mit aller Konsequenz. Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass ein durchsetzungsstarker Manager mit langjähriger internationaler Erfahrung in unserer Bank genau der Vorstandschef ist, den wir jetzt brauchen.

          Mit dem Führungswechsel im Vorstand ist keine Änderung der Strategie verbunden?

          Wir sollten nicht so viel über Strategie sprechen, sondern uns erst einmal auf die Umsetzung konzentrieren. Aber natürlich muss sich eine Bank in einzelnen Bereichen immer weiterentwickeln. Wenn der Vorstand Änderungen plant, wird der Aufsichtsrat das natürlich anhören und entsprechend begleiten.

          Ist die Entscheidung für Sewing und gegen den Co-Chef der Investmentbank Marcus Schenck mit einer Reduzierung des Investmentbankings verbunden?

          Es geht nicht um eine Abkehr vom Investmentbanking. Marcus Schenck hatte mir vor Ostern signalisiert, dass er das Unternehmen verlassen wolle, weil er die Investmentbank gerne vergrößern wollte, die Bank das derzeit aber nicht in dieser Weise mittragen wollte. Es gilt aber weiterhin: Wenn Sie Unternehmen finanzieren wollen, geht das nur über die Bilanz oder den Kapitalmarkt. Alle neue Regulierung zielt darauf, die Bilanzen der Banken zu verkleinern. Also brauchen wir zwangsläufig auch in Europa mehr Kapitalmarktgeschäft. Und dafür braucht die europäische Wirtschaft starke Universalbanken wie die Deutsche Bank. Das hat nichts mit Spekulation zu tun. Wenn wir nicht vorsichtig sind, dann wird es im Kapitalmarktgeschäft genau so laufen wie im Internet und wir haben nur noch amerikanische und chinesische Anbieter. Auch eine Investmentbank hat eine volkswirtschaftliche Funktion – und entsprechend große Chancen, genau wie die anderen Geschäftsfelder der Deutschen Bank.

          Warum kandidiert mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Merrill Lynch, John Thain, ein Boni-Ritter von der Wall Street für den Aufsichtsrat? Deutsche Konzernlenker gehören dem Gremium bald nicht mehr an.

          Es geht bei der Bestellung von Aufsichtsratsmitgliedern nicht um Symbolik. Die Bank wird nun wieder stärker aus Deutschland heraus gelenkt, wir haben auch ein exzellentes Verständnis für den deutschen Heimatmarkt und Europa. Das ist wichtig für das Tagesgeschäft. Aber der Aufsichtsrat braucht auch Mitglieder mit langer Erfahrung in der internationalen Finanzbranche, der Vorstand braucht auch diesen Rat. In New York und London sprechen mich viele Leute darauf an, wie es mir gelungen ist, Thain für diese Aufgabe zu gewinnen. Viele haben das versucht, und er hat immer abgelehnt. Wenn Sie in stürmischer See sind, habe ich lieber einen erfahrenen Seemann an der Seite als einen Wochenendsegler.

          Das vollständige Interview mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe oder ab 20 Uhr auf F.A.Z.-Plus oder in unserem E-Paper.

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