https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/un-bericht-warum-der-kampf-gegen-den-hunger-so-erfolglos-ist-18153383.html

Bericht der Vereinten Nationen : Warum der Kampf gegen den Hunger so erfolglos ist

Ein Helfer der Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières wiegt in Thaker (Südsudan) ein Kind. Bild: dpa

Die Zahl der Hungernden ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Warum ändert sich daran eigentlich nichts? Sieben Fragen und sieben Antworten.

          6 Min.

          Der Hunger in der Welt nimmt weiter zu. Allen Gipfeln, Bekenntnissen, Initiativen, Geld, Studien und Artikeln zum Trotz – nichts hat offenbar geholfen. Die Zahl der Menschen, die hungern müssen, steigt. Das ist das ernüchternde Fazit des neuen Welthungerberichts der Vereinten Nationen (UN), der am Mittwoch in New York vorgestellt wurde.

          Jessica von Blazekovic
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Demnach waren Schätzungen zufolge im Jahr 2021 zwischen 702 und 828 Millionen Menschen von Hunger betroffen – etwa 46 Millionen mehr als im Vergleich zum Mittelwert des Vorjahres (712 Millionen). Fast 10 Prozent der Weltbevölkerung waren unterernährt, wieder ein bisschen mehr als noch ein Jahr zuvor. Immerhin: Der Anstieg fiel nicht ganz so drastisch aus wie zwischen 2019 und 2020. 2,3 Milliarden Menschen sind dem Bericht zufolge einer moderaten oder schweren Ernährungsunsicherheit ausgesetzt. Mehr als 3 Milliarden Menschen und damit zwei Fünftel der Weltbevölkerung hätten sich im Jahr 2020 keine gesunde Ernährung leisten können. Besonders betroffen sind weiterhin asiatische und afrikanische Länder, Lateinamerika und die Karibik.

          Im vergangenen Jahr sorgten durch die Corona-Pandemie gestörte Lieferketten und gestiegene Lebensmittelpreise dafür, dass abermals keine Trendumkehr eintrat. Auch hätten sich Volkswirtschaften ungleich von der Pandemie erholt und seien Einkommensverluste in besonders betroffenen Regionen nicht ausgeglichen worden. Und auch in diesem Jahr wird es wohl nicht gelingen, den Hunger auszubremsen: Der russische Angriffskrieg in der Ukraine, die dramatisch gestiegenen Lebensmittelpreise und das wachsende Risiko einer globalen Rezession streuen Salz in eine klaffende Wunde.

          Viele Sätze aus dem UN-Bericht, an dem sich auch Unicef, die Weltgesundheitsorganisation und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO beteiligt haben, ließen sich an dieser Stelle zitieren, um das Ausmaß des Problems zu verdeutlichen. Der folgende ist wohl am eindrücklichsten: „Vorhersagen zufolge werden im Jahr 2030 immer noch 670 Millionen Menschen von Hunger betroffen sein – 8 Prozent der Weltbevölkerung und damit genauso viele wie 2015, als die Agenda 2030 aufgelegt wurde.“ Die Agenda, das sind die 17 Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung, die sogenannten Sustainable Development Goals. Das zweite Ziel, den Hunger in der Welt bis zum Jahr 2030 zu beenden, ist derzeit so weit entfernt wie nie zuvor.

          1. Warum hungern immer mehr Menschen?

          Vereinfacht gesagt, gibt es drei Hauptgründe für den Hunger in der Welt. Zum einen sind es Kriege, Krisen und wirtschaftliche Schocks – wie die Corona-Pandemie, der Bürgerkrieg im Jemen oder jetzt der Ukrainekrieg –, die dazu führen, dass der Zugang zu Nahrungsmitteln in bestimmten Weltregionen erschwert ist. Besonders auf dem afrikanischen Kontinent haben kriegerische Auseinandersetzungen und Staatsstreiche zuletzt zugenommen, etwa in Äthiopien. Nicht nur führt das kurzfristig dazu, dass die Menschen vor Ort oder auf der Flucht Hunger leiden müssen. Auch auf lange Sicht hat politische Instabilität schwerwiegende Folgen für die Ernährungssicherheit, weil private Investoren dadurch abgeschreckt werden. „Das ist ein riesiges Problem, das wohl am schwierigsten zu lösen ist“, sagt Dominik Ziller, Vizepräsident des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung der Vereinten Nationen (IFAD). Überall dort, wo der Hunger am stärksten grassiert, herrschten oftmals Kriege – „da gibt es große Schnittstellen“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.