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Reisekonzern : Der Chef verlässt TUI

Nimmt Abschied: Vorstandschef Fritz Joussen Bild: dpa

Fritz Joussen gibt auf eigenen Wunsch den TUI-Vorstandsvorsitz ab. Und nutzt dafür eine Ausstiegsklausel, die ihm den Abgang finanziell versüßt.

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          Seit mehr als einen Monat gab es dröhnende Ungewissheit im Reisekonzern TUI. Nun haben sich die Spekulationen der Beschäftigten bestätigt: Der Vorstandsvorsitzende Fritz Joussen scheidet auf eigenen Wunsch vorzeitig aus und nutzt dafür eine spezielle Ausstiegsklausel, die er sich im zeitlichen Zusammenhang mit den Corona-Stabilisierungsmaßnahmen ausbedungen hatte. Sein Vertrag wäre regulär bis 2025 gelaufen.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zum Geschäftsjahresschluss Ende September will Joussen nun den Chefposten an den bisherigen Finanzvorstand Sebastian Ebel übergeben. Das schlägt das Präsidium des Aufsichtsrats um den Vorsitzenden Dieter Zetsche dem Kontrollgremium vor, wie der Reisekonzern am Freitag mitteilte. Nach F.A.Z.-Informationen tagt der Aufsichtsrat am kommenden Montag.

          Joussen wählt einen Ausstiegszeitpunkt, zu dem sich das Reisegeschäft vom Tief in der Corona-Pandemie wieder erholt. Allerdings drückt TUI ein hoher Schuldenberg, Corona-Hilfen des deutschen Staats sind – anders als von der Deutschen Lufthansa – nicht komplett zurückgeführt.

          Daher gibt es die Sorge im Konzern, dass vom vorzeitigen Chefabgang ein unvorteilhaftes Signal für die Branche und an den Kapitalmarkt ausgeht. „Der Aufsichtsrat bedauert die Entscheidung von Fritz Joussen – und auch ich persönlich bedauere sie“, wurde Chefaufseher Zetsche zitiert. Der Kurs der TUI-Aktie rutschte am Freitagvormittag um 3,5 Prozent ab.

          „Starten in nächste Phase“

          Zetsche sagte hingegen, dass TUI die schwere Corona-Phase hinter sich gelassen habe. „Die existenzbedrohende Krise ist bewältigt. Wir starten jetzt in die nächste Phase“, sagte er. Finanzvorstand Ebel sei die „exzellente Besetzung“, da er viele Jahre für die strategischen Wachstumsbereiche Hotels, Kreuzfahrten und Aktivitäten zuständig gewesen sei. Ebel war schon bis 2006 für TUI tätig, arbeitete beim Telekommunikationskonzern Vodafone mit dessen damaligen Deutschland-Chef Joussen zusammen und folgte diesem 2013 zurück zu TUI.

          Joussen selbst wandte sich in einem Rundschreiben an die Mitarbeiter. „Die Entscheidung fällt mir nicht leicht“, schreibt er darin. Er sei jedoch davon überzeugt, dass jetzt „ein richtiger Zeitpunkt für einen Wechsel“ sei. Seine zehn Jahre an der Spitze bezeichnet er als „sehr lange Zeit“ – und die sei „geprägt vom Wandel, vom Wachstum, von unseren Produkten und von unseren Kunden“. Aus Konzernkreisen ist indes auch zu hören, dass der am Beginn seiner TUI-Zeit riesige Elan des Chefs nachgelassen habe.

          Details der Abschiedsklausel

          Zur Ausstiegsklausel, die Joussen nun nutzt, steht im jüngsten Geschäftsbericht des Konzerns, dass ihm mit einer Frist von drei Monaten zum 30. September 2022 das Recht zugestanden ist, sein Amt niederzulegen. Sein Vertrag endet dennoch erst 24 Monate später, wobei für diese Zeit Boni aus der Jahreserfolgsvergütung und eines Langzeitanreizprogramms „ausgezahlt werden und nicht verfallen“.

          Joussen hatte 2013 von Michael Frenzel die Führung von TUI übernommen – damals „einen von der Zerschlagung bedrohten Konzern“, wie Zetsche am Freitag erklärte. Ein Kernproblem war ein wegen mangelnder Finanzen unvollendeter Expansionsschritt, der zu zwei börsennotierten TUI-Gesellschaften, der Holding in Hannover und TUI Travel in London geführt hatte. Dabei war die Teilgesellschaft an der Börse mehr wert war als der Gesamtkonzern.

          Joussen gelang es, die beiden TUI-Gesellschaften zu fusionieren, was Strukturen spürbar verschlankte und Vertrauen am Kapitalmarkt zurückbrachte. Außerdem trieb er die Digitalisierung des Geschäfts voran, sah aber nach dem Eindruck von Beobachtern seine Aufgabe für den Konzern als absolviert an.

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