https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schaden-fuer-versicherer-folgen-der-flutkatastrophe-wachsen-auf-sieben-milliarden-euro-17500421.html

Versicherungswirtschaft : Schäden durch Flut steigen auf sieben Milliarden Euro

  • Aktualisiert am

Die Flutkatastrophe von Mitte Juli hat die Infrastruktur im Ahrtal völlig zerstört. Bild: dpa

Der Spitzenverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) muss seine Schätzung zu den Hochwasserschäden vom Juli binnen weniger Wochen revidieren. Sie könnten sich auf mehr als sieben Milliarden Euro belaufen.

          1 Min.

          Der Schaden durch die Flutkatastrophe Mitte Juli ist deutlich größer als bisher gedacht. „Wir rechnen jetzt mit Versicherungsschäden von rund sieben Milliarden Euro“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen, am Mittwoch. Davon entfielen rund 6,5 Milliarden Euro auf Wohngebäude, Hausrat und Betriebe sowie rund 450 Millionen Euro auf Kraftfahrzeuge. „Mit fortschreitender Schadenaufnahme und -regulierung zeigt sich erst die Dimension dieses Extremereignisses.“ Bisher hatte der Verband den Schaden auf das obere Ende der Spanne von 4,5 bis 5,5 Milliarden Euro geschätzt.

          Die Unwetterfront „Bernd“ zog vom 13. bis 18. Juli über weite Teile Deutschlands hinweg und sorgte für Überschwemmungen mit mindestens 180 Toten. Schwere Schäden durch Starkregen und Hochwasser gab es vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, aber auch in Bayern und Sachsen. Bund und Länder haben einen 30 Milliarden Euro schweren Hilfsfonds auf den Weg gebracht. Aktuell gehen die Versicherer von rund 250.000 Schadenfällen aus - rund 200.000 an Häusern, Hausrat und Betrieben und bis zu 50.000 an Kraftfahrzeugen.

          Schadenreichste Naturkatastrophe 

          Die Sturzflut ist die historisch schadenreichste Naturkatastrophe in Deutschland. Die Schäden liegen laut GDV über denen der Hochwasser im August 2002 (4,75 Milliarden Euro) und im Juni 2013 (2,25 Milliarden Euro) sowie dem Orkan „Kyrill“ (3,6 Milliarden Euro). „Zusammen mit den hohen Hagelschäden im Frühsommer zeichnet sich ab, dass 2021 für die Versicherer eines der teuersten Naturgefahrenjahre überhaupt wird“, erklärte Asmussen.

          Dabei liegen die tatsächlichen Unwetterschäden noch weit über den aktuellen Schätzungen, da bei weitem nicht alle Gebäude gegen alle Naturgefahren versichert sind. Während bundesweit fast alle Wohngebäude gegen Sturm und Hagel abgesichert sind, besitzen dem Verband zufolge nur 46 Prozent den Schutz vor weiteren Naturgefahren wie Starkregen und Hochwasser. „Wir werden zusammen mit unseren Mitgliedsunternehmen bis zum Herbst Ideen vorlegen, wie sich die Verbreitung von Naturgefahrenversicherungen zu risikogerechten Preisen signifikant erhöhen lässt“, erklärte Asmussen. „Es gilt auch jene zu erreichen, die trotz der jüngsten Flutkatastrophe nicht glauben wollen, dass auch sie von Naturgefahren betroffen sein können.“ 

          Weitere Themen

          Italiens Post soll die Dörfer retten

          Entwicklungsplan : Italiens Post soll die Dörfer retten

          Durch ein Milliardenprogramm sollen die Ämter auf dem Lande ausgebaut werden und einige staatliche Aufgaben übernehmen. Zwei Drittel bezahlt Europa. Wie groß sind die Chancen auf einen Stopp der Abwanderung?

          Topmeldungen

          Symbol des weltoffenen Eskisehir:  Das Museum für moderne Kunst auf dem alten Holzmarkt

          Eskisehir : Eine anatolische Stadt trotzt Erdogan

          Eine Stadt im Westen Anatoliens entzieht sich der autoritären Politik Erdogans. Eskisehir zeigt, was Kommunalpolitik in einem konservativen Umfeld und einem starken Zentralstaat leisten kann.
          Fährt stundenlang mit dem Rad durch Ruhrgebietswälder, wenn er Zeit findet: Max Lucks, hier im Innenhof des Otto-Wels-Hauses in Berlin

          Neue Grüne : Ein bisschen Revolutionär

          Nicht zu links, nicht Realo, sondern Idealo: Wie der junge Grüne Max Lucks unter dem Druck der Gegenwart einen neuen Typus Politiker etabliert, der nicht mehr über veganes Essen streiten will.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.