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Panama Papers : Berenberg Bank gerät unter Druck

Zentrale der Berenberg Bank in Hamburg Bild: obs

Weil die Berenberg Bank in den Recherchen zu Briefkastenfirmen auftaucht, steht deren Chef, Hans-Walter Peters, im Fokus. Das Institut fühlt sich zu Unrecht beschuldigt.

          2 Min.

          Über diese Erwähnung zur besten Sendezeit im Fernsehen hat sich weder die Privatbank Berenberg noch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) freuen können. Die in den vergangenen Jahren so rasch gewachsene Bank fühlt sich zu Unrecht vom journalistischen Rechercheur Georg Mascolo an den Pranger gestellt in der Affäre rund um Briefkastenfirmen und Steueroasen. „Eine der Banken, die sich besonders hervorgetan hat – zu meinem großen Erstaunen – ist beispielsweise die Berenberg Bank in Hamburg gewesen“, sagte Mascolo, der den Rechercheverbund leitet, am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Anne Will“.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da dürften auch beim Verband der privaten Banken in Berlin die Alarmsirenen geheult haben. Denn am kommenden Montag wird Hans-Walter Peters, der persönlich haftende Gesellschafter von Berenberg, neuer Bankenpräsident. Er löst Jürgen Fitschen von der Deutschen Bank ab. Deren Skandale, von der Zinsmanipulation bis hin zur Geldwäsche in der Moskauer Niederlassung, haben schon auf den Bankenverband abgefärbt. Denn die Glaubwürdigkeit leidet unter einem Präsidenten, der für sein Institut einen „Kulturwandel“ ausrief, aber dann Schlagzeilen mit neuen Skandalen produzierte. Das Haus des neuen Bankenpräsidenten Peters ist mit einer Bilanzsumme von 4,7 Milliarden Euro sehr viel kleiner als die Deutsche Bank (1629 Milliarden Euro). Mit Peters sollen nun die angeblichen Tugenden des persönlich haftenden Privatbankiers in der Öffentlichkeitsdarstellung des BdB Einzug halten.

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          Da kommt zur Unzeit, dass Berenberg im Skandal um Briefkastenfirmen prominent erwähnt wird. Ein Berenberg-Sprecher räumt zwar ein, dass Konten für Offshore-Gesellschaften, also Briefkastenfirmen, vermittelt wurden, aber im Einklang mit gesetzlichen Vorgaben. Die „klare Weißgeldstrategie“ werde regelmäßig von unabhängigen Prüfern für wirkungsvoll befunden. In aktuellen Berichten werden Berenberg nur 13 Briefkastenfirmen zugeordnet, während für 28 deutsche Banken 1200 Fälle genannt werden, mehr als 400 für die Deutsche Bank. Auch seien diese Geschäfte von Berenberg in der Schweiz getätigt worden, einer Tochtergesellschaft mit eigener Geschäftsführung, in deren Verwaltungsrat Peters seit Jahren schon nicht mehr vertreten sei.

          Großspurigkeit schimmert durch

          Das 1590 von den Brüdern Hans und Paul Berenberg in Hamburg gegründete und als Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG firmierende Bankhaus ist die älteste deutsche Bank im Privatbesitz. 26 Prozent halten die beiden Geschäftsführer Peters und Hendrik Riehmer. Seit diesem Jahr führen Peters als Sprecher und der für das Investmentbanking verantwortliche Riehmer die Bank allein; der dritte Gesellschafter Andreas Brodtmann ist im Alter von 51 Jahren ausgeschieden und soll nicht ersetzt werden. Das ist erstaunlich, denn Peters’ neue Aufgabe als Bankenpräsident wird ihn wohl ein bis zwei volle Arbeitstage je Woche belasten.

          Zweifellos geht es der Berenberg Bank gut, 2015 kletterte der Jahresüberschuss von 40 Millionen Euro auf die neue Rekordmarke von 104 Millionen Euro. Die mit 68 Prozent ungewöhnlich hohe Eigenkapitalrendite signalisiert indes ein hohes Risiko im Geschäftsmodell. Die Gesellschafter beschwichtigen, Berenberg erziele hohe Gebühren und leide kaum unter dem niedrigen Zinsniveau. Doch die Expansion im Beratungsgeschäft erscheint vielen unheimlich. Seit 1998 forciert Peters den Ausbau der Vermögensverwaltung für Privatkunden. Die Finanzkrise nutzt Berenberg nun, um das Kapitalmarktgeschäft auszuweiten, aus dem sich andere Banken zurückziehen.

          Seit Anfang 2015 hat Berenberg in Deutschland die Deutsche Bank als Berater für Unternehmen, die Aktien an der Börse verkaufen wollen, überholt. Chefvolkswirt Holger Schmieding, für seine Analysen etwa zur Geldpolitik bekannt, prägt ein seriöses Bild der Bank. Aber öfter schimmert auch Großspurigkeit durch, etwa als 2015 zum 425-jährigen Firmenjubiläums der teure Popstar Robbie Williams eingeflogen wurde. Auch dass die Gehälter der 1330 Mitarbeiter im Durchschnitt höher sein sollen als die in der Deutschen Bank, dürfte für das Image nicht nur förderlich sein. Zumindest erscheint fraglich, ob Peters als neuer Bankenpräsident Tugenden wie Nachhaltigkeit und Bescheidenheit verkörpern kann, die sich nicht wenige von den Banken nach der Finanzkrise wünschen.

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