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Menschenrechtsverletzungen : Oxfam kritisiert Ausbeutung in deutschen Supermärkten

  • Aktualisiert am

Aldi Süd holt im Vergleich zum ersten Supermarkt-Check auf. Der Discounter setzt nun auf der Führungsebene eine Menschenrechtsbeauftragte ein. Bild: dpa

Discounter werden laut Oxfam ihrer menschenrechtlichen Verantwortung nicht gerecht. Die deutschen Unternehmen schneiden im internationalen Vergleich besonders schlecht ab. Aldi Süd hat sich gegenüber dem Vorjahr verbessert.

          Deutsche Supermärkte haben laut einer Studie der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam Nachholbedarf in Bezug auf Menschenrechte. Die fünf untersuchten Discounter unternähmen zu wenig gegen Ausbeutung und Diskriminierung in ihren Lieferketten, heißt es in einer in Berlin veröffentlichten Untersuchung von Oxfam. Im internationalen Vergleich schnitten deutsche Supermärkte schlecht ab. Die Händler nähmen „wirtschaftliche Ausbeutung und Leid“ als Zutaten vieler Lebensmittel in Kauf, sagte Franziska Humbert, Oxfam-Expertin für soziale Unternehmensverantwortung.  "Die Supermärkte müssen endlich handeln und dafür sorgen, dass nicht andere die Rechnung für unseren Einkauf zahlen.“

          Die kritisierten Unternehmen reagierten auf epd-Anfrage unterschiedlich: Edeka wies die Untersuchung als „Kampagne“ zurück. Aldi Nord teilte mit, die Vorwürfe ernst zu nehmen, jedoch einen individuellen Ansatz zu verfolgen, um die Einhaltung von Menschenrechten bei Geschäftspartnern zu erreichen. Aldi Süd, das im Vergleich zur Studie im Vorjahr deutlich besser abschnitt, veröffentlichte eine Risikoanalyse zu Menschenrechtsverletzungen seiner Produkte und setzte auf Führungsebene einen Menschenrechtsbeauftragten ein. Wie Oxfam hervorhob, wurde Aldi Süd unter anderem durch ein britisches Gesetz gegen moderne Sklaverei zu mehr Transparenz gezwungen. Von Lidl und Rewe lagen zunächst keine Reaktionen vor.

          Mithilfe eines Indikatorenkatalogs untersuchte Oxfam, wie die Supermärkte die Rechte von Arbeitern, Frauen und Bauern garantieren sowie Transparenz und Rechenschaftspflicht der Lieferanten gewährleisten. Aldi Süd erfüllte dabei laut Oxfam 19 Prozent der Kriterien und schnitt damit am Besten im deutschen Vergleich ab. Es folgten Rewe mit 13 Prozent, Lidl mit neun und Aldi Nord mit fünf Prozent. Schlusslicht der Untersuchung ist laut Oxfam Edeka mit nur einem Prozent erfüllter Kriterien.

          Laut Studie legt keines der Unternehmen seine Lieferanten und die Arbeitsbedingungen am Produktionsstandort offen. Es gebe keine öffentlich gemachten Anstrengungen, existenzsichernde Löhne für Arbeiter durchzusetzen. Im Bereich der Frauenrechte gebe es nahezu keine Bemühungen. Punktuelle Fortschritte kämen verstärkt im Bereich der Transparenz und dem Umgang mit Kleinbauern vor, teilte Oxfam mit.

          Im Rahmen der Studie wurden auch elf Supermarkt-Ketten in Großbritannien, den USA und in den Niederlanden untersucht. Im internationalen Vergleich liegen die deutschen Supermärkte bis auf Aldi Süd in der unteren Tabellenhälfte. Die britischen Tesco- und Sainsbury’s-Märkte schnitten mit 38 und 27 Prozent am Besten ab.

          Oxfam forderte die Unternehmen auf, Menschenrechtsverstöße bei ihren Lieferanten zu ermitteln und Maßnahmen gegen Missstände zu ergreifen. Zudem sollten die Supermärkte Oxfam zufolge Lieferketten offenlegen, für existenzsichernde Löhne sorgen und sich aktiv für die wirtschaftliche Selbstbestimmung von Frauen einsetzen.

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