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Insolvenzen : Corona-Krise trifft Mittelstand schwer

Ein Gärtner erntet Salatgurken in einem Gewächshaus in Manschnow. Der Landwirtschaft geht es in der Corona-Krise noch vergleichsweise gut. Bild: dpa

Noch halten sich dank Staatshilfen und langer Bearbeitungszeiten die Insolvenzen in Grenzen. Doch Euler Hermes erwartet eine Ausfallwelle in Rekordhöhe.

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          Im April ist die Insolvenzwelle noch ausgeblieben, aber das wird wohl nicht so bleiben. Am Montag veröffentlichte die DZ Bank eine Sonderumfrage unter rund 1000 mittelständischen Unternehmen. Jeder fünfte Mittelständler hat schon Förderkredite beantragt. Mehr als die Hälfte hat Mitarbeiter in Kurzarbeit, aber nur 8 Prozent bauen Stellen ab. Jedoch blicken die Unternehmen angesichts der drohenden Rezession deutlich skeptischer nach vorn. Hatten vor der Corona-Krise noch drei Viertel der Unternehmen ihre Geschäftslage als „gut“ oder „sehr gut“ bezeichnet, ist es mittlerweile nur noch die Hälfte.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Besonders große Sorgen äußerten in der zwischen dem 3. und dem 20. April durchgeführten Umfrage Unternehmen aus dem Metall-, Maschinen- und Automobilbau sowie aus dem Dienstleistungsgewerbe. Dagegen beurteilen Baugewerbe, Chemie-, Pharma- und Kunststoffindustrie sowie Landwirtschaft die Lage zuversichtlicher. Auf Kurzarbeit setzen zwei Drittel der Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau und Automobil.

          Der DZ Bank zufolge sind die mittelständischen Unternehmen sehr wandlungsfähig. So setzen 63 Prozent kurzfristig auf Maßnahmen wie den Abbau von Überstunden oder Betriebsurlaub. Heimarbeit ermöglichten fast drei Viertel ihren Mitarbeitern. Zudem hätten 12 Prozent ihr Geschäftsmodell während des Shutdowns neu ausgerichtet. Hierzu zählen vor allem kleinere Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 5 Millionen Euro. Aufgrund der kurzen Entscheidungswege seien sie besonders flexibel. Unter diesen habe fast jedes sechste eine Neuausrichtung vorgenommen.

          Mittelstand zeigt sich kämpferisch

          „Es ist erfreulich, dass sich der Mittelstand trotz des schwierigen Marktumfelds kämpferisch zeigt und mehrheitlich nach alternativen Lösungen sucht, um Umsätze zu sichern“, lässt sich Uwe Berghaus, Vorstandsmitglied der DZ Bank, in der Pressemitteilung zitieren.

          Geht es nach dem Kreditversicherer Euler Hermes, der zur Allianz gehört, steht die wahre Krise erst noch bevor. Die tiefe Rezession in der Weltwirtschaft und im Welthandel dürfte eine Insolvenzwelle von unbekanntem Ausmaß auslösen. Euler Hermes erwartet eine Zunahme der Insolvenzen in diesem Jahr von 20 Prozent. In den Vereinigten Staten dürften die Unternehmensinsolvenzen um 25 Prozent steigen, in Europa um 19 Prozent und in China um 15 Prozent.

          Der Chefvolkswirt von Allianz und Euler Hermes, Ludovic Subran, vergleicht die Corona-Krise mit einem „schwarzen Schwan“. Eine Hiobsbotschaft jage die nächste, von Exportkrise über ein Beben an den Finanzmärkten, Ölpreisschock bis hin zu einem praktisch weltweiten Konsumschock. 2020 breche die Weltwirtschaft voraussichtlich doppelt so stark ein wie in der Finanzkrise. Die Verluste seien so hoch wie die Wirtschaftskraft (BIP) von Deutschland und Japan zusammen.

          Den Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Welt in diesem Jahr schätzen Allianz und Euler Hermes auf 3,3 Prozent oder 9 Billionen Dollar, die Verluste im Welthandel auf 3,5 Billionen Dollar. Diese Entwicklung bleibt nach Ansicht von Euler Hermes auch für die Unternehmen nicht folgenlos.

          Allerdings sind die Insolvenzen in Deutschland im April noch nicht zu sehen gewesen. Die Amtsgerichte meldeten für Februar 1529 Unternehmensinsolvenzen und damit 3,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Da durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie viele Betriebe in Not geraten sind, veröffentlichten die Statistiker erstmals vorläufige Angaben zu den eröffneten Regelinsolvenzverfahren. Deren Zahl nahm im März um 1,6 Prozent zu, während es im April einen Rückgang um 13,4 Prozent zum Vorjahresmonat gab.

          Das Bundesamt führt die geringe Zahl auf Bearbeitungszeiten zurück, die sich zudem durch den teilweise eingeschränkten Betrieb der Insolvenzgerichte verlängerten. Zum anderen wirkten die Hilfen der Bundesregierung – vor allem die vorübergehende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht.

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