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Mayers Weltwirtschaft : Der Dollar ist viel zu stark

  • Aktualisiert am

Thomas Mayer Bild: Thilo Rothacker

Amerikas übermächtige Währung wird für uns zum Problem. Die Lösung könnte ein digitaler Euro sein.

          3 Min.

          Noch während der Pressekonferenz von EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag beklagte sich der amerikanische Präsident Donald Trump per Twitter über die Stärke des Dollar und drängte die Federal Reserve zu weiteren Zinssenkungen. Doch den größten Anteil an der Dollarstärke hat er selbst zu verantworten. Mit seiner Unternehmenssteuerreform, die im Dezember 2017 in Kraft trat, hat er nicht nur die internationale Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft verbessert, sondern auch die Nachfrage nach heimischen Gütern und Importen gestärkt. Der Anstieg der Zinsen in Amerika relativ zu den Zinsen in anderen Ländern zog Kapital an, mit dem die gestiegenen Importe finanziert werden konnten. Durch den Zufluss von Kapital stieg die Nachfrage nach Dollar, die den Wechselkurs trotz der von Trump gleichzeitig durchgedrückten Zollerhöhungen anhob.

          Allerdings trägt noch ein anderer Umstand zur Stärke des Dollars bei, für die Trump nichts kann. Mark Carney, der Gouverneur der Bank von England, hat kürzlich in seiner Rede beim jährlichen Treffen der Zentralbanker in Jackson Hole darauf hingewiesen, dass sich der Dollar aufgrund der gestiegenen globalen Vernetzung zur dominanten Währung für die Bepreisung und Durchführung globaler Handels- und Finanzgeschäfte entwickelt hat. So wird mindestens die Hälfte aller globalen Handelsgeschäfte in Dollar abgewickelt, obwohl der Anteil der Vereinigten Staaten an den Exporten aller Länder weniger als zehn Prozent ausmacht. Die Dominanz von Amerikas Währung im globalen Geld- und Finanzsystem hat zur Folge, dass die globale Nachfrage nach Dollar als Mittel zur Transaktion und Wertaufbewahrung gestiegen ist. Dadurch wurde der Dollar gegenüber anderen Währungen nicht nur höher bewertet, sondern die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Vereinigten Staaten hat auch einen größeren Einfluss auf alle anderen Länder bekommen.

          Die Folgen der Dominanz

          Sichtbar wurde dies an den Schocks, den die Entscheidungen der Federal Reserve den Entwicklungsländern versetzte, als sie 2013 den Auslauf ihres Anleihekaufprogramms ankündigte und 2018 die Schlagzahl ihrer Zinserhöhungen heraufsetzte. Und dank der Dominanz des Dollars konnte Amerika Europa Sanktionen gegenüber Iran aufzwingen. Carney erinnert in seiner Rede an die Bemerkung des amerikanischen Finanzministers John Connally gegenüber europäischen Kollegen im Jahre 1971. Connally erklärte, der Dollar sei „unsere Währung, aber Euer Problem“. Heute, so Carney, könnte er dem Rest der Welt sagen: „Jedes unserer Probleme ist Euer Problem.“ Dazu gehört auch die rapide steigende Staatsverschuldung in Amerika, die zu einem erheblichen Teil von ausländischen Kapitalgebern finanziert wird. Würde Trump diese Zusammenhänge begreifen, müsste er die Dollarstärke als Meilenstein auf dem Weg zu „America First“ feiern.

          Angesichts der Unberechenbarkeit und teilweisen Widersprüchlichkeit der Politik von Donald Trump sind weniger die einzelnen Probleme Amerikas als der systematische Problemtransfer für den Rest der Welt das eigentliche Problem. Viel wäre gewonnen, wenn die Dominanz des Dollar für globale Handels- und Finanzgeschäfte verringert werden könnte. Zur Schwächung der amerikanischen Währungshegemonie schlägt Carney, inspiriert von Facebooks Projekt einer digitalen Privatwährung, einen digital handelbaren Korb von Staatswährungen vor.

          Der Yuan ist keine Alternative

          Gegenwärtig bieten aber weder Yuan noch Euro ernsthafte Alternativen zum Dollar, von japanischem Yen, britischem Pfund oder Schweizer Franken ganz zu schweigen. In China geht die Abschwächung der Wirtschaft mit einer zunehmend autokratischen und repressiven Staatsführung einher, während wachsende politische und ökonomische Zentrifugalkräfte in Europa den Fortbestand der Währungsunion bedrohen. Doch könnte der Euro gefestigt und seine Attraktivität erhöht werden, wenn seine Emission von Banken und Staaten getrennt würde. Dazu habe ich die Neuaufstellung der europäischen Währung als digitales Vollgeld vorgeschlagen, das nicht von den Banken durch Kreditvergabe geschaffen und von den Eurostaaten als Finanzierungsinstrument missbraucht werden kann. Durch die Schaffung eines digitalen Euro würden Wirtschaft und Finanzsystem stabiler, und die Abhängigkeit vom Dollar als dominantem globalem Mittel zur Transaktion und Wertaufbewahrung würde abnehmen.

          Monopole laden zum Missbrauch von Marktmacht ein. Durch eine staatliche Monopolwährung gewinnen Politiker oder Bürokraten Macht über Bürger, und eine dominante globale Reservewährung stärkt eine globale Hegemonialmacht. Durch Währungskonkurrenz könnte der Missbrauch von Finanzmarktmacht verhindert werden.

          Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

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