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Fluggesellschaft : Lufthansa-Aufseher bauen Vorstand um

Chefmanager und Chefaufseher: Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr und Aufsichtsratsvorsitzender Karl-Ludwig Kley Bild: EPA

Personalvorstand Bettina Volkens verlässt den Konzern. Doch das ist nicht die einzige Änderung: Neue Vorstände und neue Ressortzuschnitte sollen Lufthansa wendiger machen.

          3 Min.

          Großes Aufräumen in der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Lufthansa: Zum Jahreswechsel bekommt der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr eine umgebaute Führungsmannschaft mit veränderten Aufgabenzuschnitten und neuen Köpfen zur Seite gestellt. Das hat das Kontrollgremium des Konzerns am Dienstag beschlossen. „Wir tragen der strategischen Weiterentwicklung der Lufthansa vom Aviation-Konzern zur Airline-Gruppe Rechnung“, umschrieb der Aufsichtsratsvorsitzende Karl-Ludwig Kley den Umbau, der weit über Spekulationen im Vorfeld der Sitzung hinausgeht.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die zunächst auffälligste Änderung ist, dass Personalvorstand Bettina Volkens zum Jahresende den Konzern verlässt – in beiderseitigem Einvernehmen, wie Lufthansa mitteilte. In den vergangenen Tagen hatten sich schon die Spekulationen gehäuft, dass Volkens’ Abgang bevorstehe. Sie war wegen des Dauerkonflikts mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo in die Kritik geraten. Da half es auch nicht mehr, dass die Arbeitnehmerseite gute Worte für sie fand. Andere Manager im Konzern hätten sich wohl eine härtere Gangart gewünscht, was zu internen Spannungen geführt haben dürfte und den Konflikt mit Ufo schürte.

          Das dürfte nicht allein Volkens zuzurechnen sein, eine weitere Zusammenarbeit wäre aber spannungsreich geblieben. Chefaufseher Kley findet daher zum Abschied lobende Worte. Volkens habe einen „wichtigen und tiefgreifenden Kulturwandel“ eingeleitet, sich „um das Unternehmen verdient“ gemacht, der Aufsichtsrat empfinde „große Dankbarkeit“. Ihre Aufgaben übernimmt Michael Niggemann, bislang Finanzchef der Schweizer Tochtergesellschaft Swiss.

          Reaktion auf Veränderungen im Umfeld und im Unternehmen

          Dass die Personalie nicht die einzige blieb, ist ein Indiz, welches Änderungsdruck im Aufsichtsgremium verspürt wird. Man reagiere auf „Veränderungen im Umfeld und im Unternehmen“, sagte Kley. „Wir stärken unseren Kundenfokus, wir erhöhen unsere Anstrengungen in der Digitalisierung, und wir etablieren die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft auf Vorstandsebene.“ Es klingt wie eine Liste der Punkte, in denen Aufholbedarf besteht, um die Schlagkraft des Konzern wieder zu stärken. Lufthansa hatte in diesem Jahr schon die Gewinnziele nach unten korrigiert.

          Gestärkt aus dem Umbau geht Vorstand Harry Hohmeister hervor. Bislang war er für die Kernmarken Lufthansa, Austrian Airlines und Swiss verantwortlich, künftig steuert er das Konzerngeschäft mit allen Passagierflugzeugen, einschließlich Eurowings. Für die Billigableger gibt es künftig kein separates Ressort mehr. Man habe sich entschieden, den Vorstand durchgängig nach funktionalen Kriterien aufzustellen, heißt es. Thorsten Dirks, bisher Eurowings-Vorstand, kümmert sich vom nächsten Jahr an um IT und Digitalisierung.

          Zuletzt war es ohnehin schwieriger geworden, klare Trennlinien zwischen Lufthansa und Eurowings zu ziehen. Die Kernmarke sollte sich traditionell auf die Drehkreuze Frankfurt und München konzentrieren, Eurowings auf die dezentralen Drehkreuze. Mit dem Antritt von Eurowings in München und der Aufnahme von Langstreckenflügen ab Frankfurt war diese Unterteilung zuletzt aufgeweicht, zudem hat die Kernmarke Lufthansa auch wieder neue klassische Urlauberstrecken für das Jahr 2020 angekündigt.

          Eine Beibehaltung der zwei Ressorts hätte einen hohen Koordinierungsbedarf bedeutet. Eine zentrale Steuerung aller Marken soll wohl auch Eurowings auf dem Weg zur Profitabilität verhelfen. Dirks war zudem ohne Luftfahrtvorerfahrung als Digitalfachmann von Telefónica geholt worden, hatte sich zunächst aber um holprige Abläufe mit Verspätungen und Ausfällen bei Eurowings zu kümmern, was sich lange hinzog.

          Eine Frau im Vorstand

          Mit dem Ausscheiden von Volkens drohte, dass im Vorstand keine Frau mehr sitzt, nachdem die damalige Finanzchefin Simone Menne vor drei Jahren den Konzern verlassen hatte. Nun zieht Christina Foerster, bislang Chefin der Tochtergesellschaft Brussels in das Leitungsgremium ein und übernimmt das neu geschaffene Ressort „Customer & Corporate Responsibility“. Es umfasst einen Strauß an Aufgaben vom Produktmanagement, über das Vielfliegerprogramm Miles & More bis zu Umweltthemen.

          Der Aufsichtsrat billigte auch den Verkauf des Europageschäft des Caterers LSG. Dieser Teil des zweitgrößten Bordverpflegers soll – wie schon bekannt – an den Marktführer Gategroup gehen. Mit Verdi stehen noch Verhandlungen zu Übergangsregelungen für Beschäftigte an, einen Streik hatte die Gewerkschaft kurzfristig abgesagt.

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