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Wegen Rezession : Warum Portugal dringend mehr exportieren muss

  • Aktualisiert am

Portugal setzt auf externes Wachstum Bild: AP

Portugals Wirtschaft läuft schwach. Die Unternehmen müssen mehr Geschäft im Ausland machen - sonst ist das Land womöglich weiter auf Finanzhilfe angewiesen.

          2 Min.

          Portugal will ab diesem Jahr nicht mehr auf Finanzhilfe seiner europäischen Partnerländer angewiesen sein. Damit das klappt, muss das Land seine Wirtschaftskraft steigern. Weil die inländische Nachfrage nach drei Jahren Rezession gedrückt bleibt, setzten die portugiesischen Unternehmen vor allem auf Absatz im Ausland.

          Vornehmlich suchen sie Möglichkeiten in Schwellenländer - und hier offenbar vor allem auch in ehemaligen portugiesischen Kolonien in Afrika wie das ölreiche Angola oder Mosambik. Für viele der meist kleinen und mittelgroßen Firmen ist der Verkauf ihrer Produkte ins Ausland der einzige Ausweg aus den Schwierigkeiten.

          „Ohne mehr Exporte schaufeln wir unser eigenes Grab“

          Deswegen werden die Firmen erfinderisch: Waren es früher vor allem Kork und Textilien, verkaufen die Portugiesen nun zunehmend auch moderne High-Tech-Produkte ins Ausland. „Es ist eine Einbahnstraße“, sagt etwa Schuh-Designer Luis Onofre. „Wenn wir unsere Exporte nicht steigern, graben wir unser eigenes Grab.“

          Immerhin: Derzeit beträgt der Anteil der Exporte an der Wirtschaftsleistung 41 Prozent - vor Beginn der Krise waren es noch 28 Prozent gewesen. Die portugiesisch Regierung strebt einen ähnlichen Exportanteil an wie die Exportnation Deutschland - mehr als 50 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Zuletzt gelang Portugal schon der erste Handelsüberschuss seit zwei Jahrzehnten.

          Das finanzschwache westliche Euroland wurde im Jahr 2011 mit 78 Milliarden Euro vor dem Staatsbankrott gerettet. Bald will es - dem irischen Beispiel folgend - wieder auf eigenen Füßen stehen. Die Regierung in Lissabon verbreitet Zuversicht: „Ich bin absolut davon überzeugt, dass Portugal in der Lage sein wird, das Programm abzuschließen“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Paulo Portas. Am Mittwoch dieser Woche könnte das Land die nächste Anleihe plazieren - die Zinsen befinden sich derzeit auf dem niedrigsten Stand seit 2010.

          Aus dem Inland sind trotz des allmählichen Endes der Rezession vorerst wenig Impulse für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu erwarten. Die Kreditvergabe an Unternehmen sinkt seit etwa zweieinhalb Jahren. Die Arbeitslosigkeit liegt mit mehr als 15 Prozent immer noch deutlich höher als vor der Krise.

          Zudem sind die Einkommen der Arbeitnehmer in der Rezession kräftig gefallen und betragen inzwischen nach Berechnungen der OECD durchschnittlich nur noch 16.047 Euro im Jahr - so niedrig wie in keinem anderen westeuropäischen Land. „Ich kenne zwar die Meldungen, dass die Exporte steigen, dass die Wirtschaft anzieht, aber dann frage ich mich - wie lange dauert es, bis das bei mir ankommt? Es gibt keine Arbeit, Punkt“, klagt Joao Bentes, ein 28 Jahre alter Architekt, der sich als Fahrradkurier über Wasser hält.

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