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UN-Klimakonferenz : Jetzt wollen sie die Waldvernichtung wirklich stoppen

  • Aktualisiert am

Holzstämme lagern an einer Holzfabrik in Brasilien. Bild: Marcelo Sayao/EFE/EPA/dpa

Bis 2030 soll Schluss mit der Entwaldung sein, versichern mehr als 100 Staaten beim Klimagipfel in Glasgow. Darunter ist auch Brasilien mit Präsident Bolsonaro. Umweltschützer haben eine klare Meinung zu dem neuen Versprechen.

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          Auf dem Weltklimagipfel in Glasgow haben sich mehr als 100 Staaten verpflichtet, die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften bis 2030 zu stoppen. Dies hat die britische Regierung, die der UN-Konferenz vorsitzt, am späten Montagabend bekanntgegeben. Klimaaktivisten kritisierten das Zieldatum als zu spät.

          Die beteiligten Länder, darunter Deutschland und die gesamte EU, repräsentieren nach den britischen Angaben 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer. Mit dabei sind die Staaten mit den größten Wäldern überhaupt, also Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo.

          Für das Vorhaben werden demnach bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (rund 10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar private Investitionen.

          Riesige Flächenverluste Tag für Tag

          Wälder gelten als die Lunge unseres Planeten, sie nehmen etwa ein Drittel der jährlich vom Menschen ausgestoßenen CO2-Emissionen auf. Doch schrumpfen sie bedenklich, wie es in der Mitteilung weiter hieß: Jede Minute gehe eine Fläche von etwa 27 Fußballfeldern verloren. Nach Daten des World Resources Institute ging die Waldfläche 2020 um 258.000 Quadratkilometer zurück, eine Fläche größer als die von Konferenz-Gastgeber Großbritannien.

          Laut vorab verbreitetem Redetext nannte der britische Premierminister Boris Johnson Wälder „Kathedralen der Natur“ und erklärte: „Sie sind unverzichtbar für unser Überleben.“ Mit der für diesen Dienstag geplanten Verabschiedung der Selbstverpflichtung zum Waldschutz habe die Menschheit die Chance, vom „Eroberer“ zum Hüter der Natur zu werden.

          Der Präsident Indonesiens, Joko Widodo, sagte laut der Mitteilung, sein Land sei gesegnet mit viel Regenwald. Seine Regierung verpflichte sich, diesen als „natürliches Kapital“ zu beschützen.

          Bisher ist nicht viel passiert

          Die britische Regierung bezeichnete das Vorhaben als „beispiellos“. Allerdings hatten die Teilnehmer eines UN-Klimatreffens in New York bereits 2014 angekündigt, die Entwaldungsrate bis 2020 zu halbieren und die Entwaldung bis 2030 zu stoppen.

          Dennoch geht die Abholzung in industriellem Maßstab ungebremst weiter, nicht zuletzt im Amazonas-Regenwald unter der Regierung von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro. Seit dessen Amtsantritt im Januar 2019 hat das brasilianische Amazonasgebiet jährlich rund 10.000 Quadratkilometer Baumbestand verloren. In den zehn Jahren zuvor waren es im Schnitt jährlich rund 6500 Quadratkilometer.

          Die Naturschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Glasgower Initiative. Damit werde praktisch grünes Licht gegeben „für ein weiteres Jahrzehnt der Entwaldung“.

          In Glasgow ringen in den kommenden zwei Wochen rund 200 Staaten darum, wie das in Paris beschlossene 1,5 Grad-Ziel noch erreicht und konkret umgesetzt werden kann. Die bisherigen Pläne der Staaten reichen dazu noch bei weitem nicht aus.

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