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Organisiertes Verbrechen : Wie die Mafia die Landwirtschaft untergräbt

Alle Branchen im Blick: Die italienische Mafia interessiert sich auch für EU-Gelder an die Land­wirtschaft – zum Beispiel auf der besonders fruchtbaren Insel Sizilien. Bild: Anzenberger

Das EU-Parlament bemängelt, dass Hilfsgelder verschwinden. Die Dunkelziffer liegt hoch. Es gäbe Fortschritte im Kampf gegen die Mafia, doch wegen der hohen Überweisungen drohen Gefahren.

          3 Min.

          Mafiosi stellt man sich in Europas Norden gerne als Herren in feinen Anzügen und edlen Schuhen vor. Dabei tarnen sie sich gerne – etwa als Landwirte. Über keinen Ausgabenposten verteilt die Europäische Union so viel Geld wie über das System der gemeinsamen Agrarpolitik. Der europäische Wiederaufbaufonds kommt nun hinzu. So ist es nicht überraschend, dass Italien immer wieder ins Visier der Kontrolleure geraten ist. Das Land ist mit 190 Milliarden Euro der größte Empfänger jener europäischen Wiederaufbauhilfen, die während der Pandemie beschlossen wurden, und Italien war schon immer ein großer Bezieher von Agrarhilfen. Verschiedene Mafia-Organisationen wittern hier eine Chance, öffentliche Gelder abzugreifen.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          „Es handelt sich um ein laufendes Problem. Die Kriminellen investieren Geld und Zeit, denn die vielen Milliarden Euro der EU ziehen sie an“, sagte Monika Hohlmeier am Freitag auf einer Pressekonferenz in Rom. Die Europa-Abgeordnete (EVP) hat als Vorsitzende des Haushaltskontrollausschusses im EU-Parlament mit einer Handvoll anderer Ausschussmitglieder den italienischen Behörden einen Besuch abgestattet, um nach dem Rechten zu sehen. Danach berichtete sie von Fällen, bei denen in der Spitze bis zu 200 Millionen Euro hinterzogen wurden, eine Reihe davon in Sizilien oder in Kalabrien. Meistens wurde öffentlichen Stellen und deren Umfeld bestochen, berichtete sie – oder der Wettbewerb brutal eingeschränkt: „In einem Fall ging es um die Auktion einer Pacht – am Ende gab es nur einen Bieter, denn alle anderen wussten, dass es sich um ein Mitglied des organisierten Verbrechens handelte“, erzählte sie. In einem andern Fall handelte es um illegal importierte Pestizide und Kunstdünger aus China, die in der EU verboten sind. „Von außen sah es aus, wie normaler Kunstdünger oder normale Pestizide, doch es waren klare Fälschungen“.

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