https://www.faz.net/-gqe-9zab9

Strafzölle für Gerste : China erhöht den Druck auf das aufmüpfige Australien

Gerstenfeld in Australien (Archivbild) Bild: AFP

Der Streit um den Export von Gerste geht in die letzte Runde. Die läuft genau zu dem Zeitpunkt, an dem Peking über die Kritik aus Canberra ernsthaft erzürnt ist. Es droht mit Einfuhrzöllen.

          2 Min.

          Nach wochenlangen, teils scharfen Wortgefechten sorgt nun eine schwelende Drohung für neue Sorgen: Peking droht seinem Herausforderer Australien, dessen Gerste mit Strafzöllen zu belegen. Canberra hat eine Samstagnacht begonnene Frist von zehn Tagen, die Vorwürfe, die solche Zölle aus Sicht Chinas rechtfertigen sollten, zu entkräften. Australien seinerseits erwägt, den Fall vor die Welthandelsorganisation (WTO) zu bringen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Hinter der Drohung der chinesischen Regierung steht der Ärger darüber, dass die australische Regierung ihrem wichtigsten Handelspartner eine internationale Untersuchung über den Umgang mit dem Corona-Virus auferlegen will. Seit auch Ministerpräsident Scott Morrison mehrmals eine solche Prüfung forderte, drohte die kommunistische Regierung damit, den Handel zwischen den beiden Ländern zu beschränken. China Botschafter in Canberra, Cheng Jingye, drohte gerade unverhohlen, Chinas Konsumenten könnten ja einfach australischen Wein, Rindfleisch, oder den Besuch der Unis boykottieren, tanze Canberra nicht nach Pekings Pfeife. „Da geht es nicht um einen Konsumentenstreik, sondern um einen staatlichen Boykott“, erklärt Richard McGregor, China-Fachmann am Lowy Institut in Sydney.

          Das nun von Peking gesetzte Ultimatum ist der vorläufige Höhepunkt einer eineinhalbjährigen Untersuchung in den Export australischer Gerste. Die Chinesen listen 32 Fälle auf, bei denen die australischen Bauern vom Commonwealth unterstützt würden und so die chinesischen Preise um bis zu 56 Prozent unterbieten könnten.

          China klagt über Dumpingpreise für Gerste

          Peking bezichtigt die Australier, ihre Gerste zu künstlich niedrigen Preisen in den Markt zu drücken. Australiens Handelsminister Simon Birmingham sprach hingegen von der „Integrität der australischen Gerstenbauern“ und fügte an: „Die Regierung ist zu tiefst besorgt darüber, dass ungerechtfertigte Zölle auf den Import australischer Gerste nach China verhängt werden sollen. Unsere Hersteller arbeiten in einem weltweiten Wettbewerbsmarkt ohne jede Subventionen, die den Handel belasteten und nehmen Preise für ihre Produkte, die allein der Handel bestimmt.“

          Die Drohung kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt: Nach den jüngsten Regenschauern stehen die Gerstenbauern vor einer Rekordernte. Sie erwarteten, in diesem Jahr mehr als 1,5 Millionen Tonnen Gerste nach China verkaufen zu können. China müsste eigentlich große Mengen abnehmen, da die Schweinepest dort zurückgeht. Das Verhältnis zwischen Peking und Canberra aber ist schwer belastet durch die Expansionspolitik der Kommunisten im Südchinesischen Meer und im Westpazifik, Menschenrechtsfragen, die Rolle des Telekommunikationsausrüsters Huawei und die Verheimlichungen der Regierung mit Blick auf Corona.

          China ist Australiens mit Abstand wichtigster Markt. Der Export betrug im vergangenen Fiskaljahr (30. Juni) 153,2 Milliarden Dollar. Nach Japan, seinem zweitwichtigsten Markt, führt Australien Waren und Dienstleistungen im Wert von 61,7 Milliarden Dollar aus. Die Ausfuhr von Agrarprodukten hat insgesamt einen Wert von 48 Milliarden Dollar. Der Verkauf bringt dem Fünften Kontinent rund 1,4 Milliarden Australische Dollar (843 Millionen Euro) jährlich. China und Australien haben einen Freihandelsvertrag. Derzeit verhandeln die Australier Freihandel mit der Europäischen Union.

          Weitere Themen

          Australien rüstet massiv auf

          Waffenindustrie : Australien rüstet massiv auf

          Ministerpräsident Scott Morrison warnt vor den Herausforderungen durch Chinas expansive Politik. Deutsche Waffenlieferanten haben bei der gefragten Hochtechnologie weniger Chancen.

          Bosch streicht 1850 Stellen

          Folgen der Krise : Bosch streicht 1850 Stellen

          Der Technologiekonzern Bosch baut Personal ab. Gleichzeitig will das Unternehmen mehr Geld in die Entwicklung neuer Produkte investieren.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.