Kommentar : Müllers Fettnäpfe

VW-Chef Matthias Müller soll den Konzern nach dem Abgasskandal aus den negativen Schlagzeilen bringen. Doch langsam wachsen Zweifel, ob er dafür der richtige Mann ist.
Ein guter Start ins neue Jahr sieht anders aus. VW-Chef Matthias Müller hat die Familien Piëch und Porsche hinter sich - und damit die Hauptanteilseigner des Automobilkonzerns. Deswegen sitzt er (noch) sicher im Sattel. Doch die Zweifel wachsen langsam, ob Müller wirklich der richtige Mann ist, Volkswagen aus der Krise zu führen.
Das Desaster seines Auftritts in Amerika ist noch frisch, da stolpert Müller bereits ins nächste Fettnäpfchen. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat erfahren aus der Zeitung, dass Müller den früheren Chef der amerikanischen Bundespolizei (FBI) Louis Freeh zum neuen Sonderbeauftragten für Amerika machen will.
Transparenz und neuer Stil sehen anders aus. Die Spannungen bei VW wachsen, und Müller trägt dafür die Verantwortung. In Amerika machte er bei einem Interview den Eindruck, dass es ihm und damit auch dem Unternehmen an Unrechtsbewusstsein - und an Aufklärungswillen - im Abgasskandal fehlt.
Freeh soll die Scherben kitten, die Müller in Amerika hinterlassen hat. Das ist konsequent und richtig. Nur sollten Aufsichtsratsmitglieder bei Volkswagen in Zeiten wie diesen davon nicht aus der Zeitung erfahren. Das Präsidium des Aufsichtsrats hält an Müller fest, nicht nur weil die Piëchs und die Porsches ihn wollen. Doch viel mehr Fehler und Fehltritte kann sich der VW-Chef nicht leisten.






