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Showdown in Washington : Volkswagens Versöhnungsmission bleibt ergebnislos

Das Firmenemblem an der Frontseite eines Volkswagens in Detroit kann die Probleme der Firma in Nordamerika nicht überstrahlen. Bild: Reuters

VW-Vorstandsvorsitzender Matthias Müller trifft sich mit der amerikanischen Umweltbehörde EPA. Danach geben beide Seiten dürre Mitteilungen heraus.

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          Die Versöhnungsmission des Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden in Washington hat am zu keinen konkreten Ergebnissen geführt. Matthias Müller traf sich am Mittwochmorgen (Ortszeit) mit Gina McCarthy, der Vorsitzenden der amerikanischen Umweltbehörde EPA. Dabei stand er vor der schwierigen Aufgabe, seine Gesprächspartnerin in der Affäre um Manipulationen von Abgastests bei Dieselfahrzeugen auf seine Seite zu bringen und von seinem Rückrufplan für die betroffenen Autos zu überzeugen. Nach dem Treffen, an dem auch VW-Markenvorstand Herbert Diess teilnahm, gaben beide Seiten dürre Mitteilungen heraus, in denen nicht von einer Annäherung die Rede war. Allerdings deuteten die im Wortlaut sehr ähnlichen Stellungnahmen von VW und der Behörde darauf hin, dass der Graben zwischen den beiden Seiten nicht noch tiefer geworden ist als ohnehin schon.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Autohersteller ließ verlauten, er wisse zu schätzen, dass sich McCarthy die Zeit für das Treffen genommen habe, und er wolle weiter vollständig mit der Behörde zusammenarbeiten. Die Behörde teilte ebenso wortkarg mit, sie habe das Gespräch geschätzt und werde weiter an einer Lösung arbeiten.

          Das Treffen stand unter schlechten Vorzeichen, denn am Tag zuvor hatten sowohl die EPA als auch deren kalifornische Schwesterbehörde Carb den Druck auf die Deutschen erhöht. Die Kalifornier lehnten den bisherigen Rückrufplan von VW ab. Dieser Schritt wurde von der Bundesbehörde in Washington ausdrücklich begrüßt. Volkswagen und die Umweltbehörden haben bislang in der Öffentlichkeit allgemein einen sehr unterschiedlichen Eindruck vom Verlauf ihrer Gespräche vermittelt, weshalb die übereinstimmenden Aussagen am Mittwoch einen Fortschritt in ihrem Verhältnis markieren könnten.

          Vorstandschef Müller sprach am Sonntag auf der Automesse in Detroit von einem „konstruktiven Dialog“, wohingegen EPA-Chefin McCarthy noch in der vergangenen Woche den bisherigen Rückrufplan „nicht akzeptabel“ nannte. Die kalifornische Behörde sagte am Dienstag, sie habe den VW-Plan abgelehnt, weil er nicht genügend Informationen enthalte, um die vorgeschlagenen Reparaturen bewerten zu können. „Wir haben festgestellt, dass es keine leichte und schnelle Lösung für die betroffenen Fahrzeuge gibt,“ hieß es in einer Mitteilung.

          Gefährliches Pflaster Amerika

          VW wies nach der Ankündigung der Kalifornier darauf hin, dass deren Entscheidung einen schon im Dezember vorgelegten Plan betreffe. Seither habe es aber weitere „konstruktive Gespräche“ gegeben. Der zurückgewiesene Rückrufplan bezieht sich auf 482.000 Autos mit Zwei-Liter-Motoren, die von den Behörden bei der Aufdeckung des Skandals im September als manipuliert eingestuft wurden. Später wurde auch eine kleinere Zahl von Fahrzeugen mit Drei-Liter-Motoren als fragwürdig identifiziert.

          Für die zweite Gruppe von Autos muss VW bis zum 2. Februar einen Rückrufplan vorlegen. Die Entscheidung über Rückrufe zieht sich in Amerika länger hin als in Europa, weil die Abgasnormen strenger sind. In Europa steht der Rückrufplan schon fest, und für einen großen Teil der betroffenen Fahrzeuge soll hier eine Aktualisierung der Software ausreichen. Der Plan für die Vereinigten Staaten soll Spekulationen zufolge in vielen Fällen auch den Einbau von Katalysatoren vorsehen. Darüber hinaus dürften auch Rückkäufe von Autos ein Teil der Lösung sein, wie Müller in Detroit selbst andeutete.

          Allgemein ist das Land für VW in der Abgasaffäre ein besonders bedrohliches Pflaster, obwohl der Konzern hier vergleichsweise schwach ist und einen geringeren Marktanteil hat als anderswo. VW sieht sich mehr als 500 Zivilklagen im Namen von Verbrauchern gegenüber, vergangene Woche hat auch das Justizministerium eine Klage eingereicht, die zu hohen Strafen führen könnte.

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