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Abgasskandal bei Volkswagen : Ein „Bärendienst“ für die deutsche Industrie

  • Aktualisiert am

Grillo und Merkel beim Tag der deutschen Industrie in Berlin Bild: AFP

Die VW-Aktie begibt sich nach weiteren Vorwürfen auf Talfahrt. BDI-Chef Grillo wirft VW vor, der deutschen Industrie zu schaden. Der Druck auf den neuen Chef in Wolfsburg nimmt zu.

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          Die Aktien von Volkswagen befinden sich am Dienstag auf Talfahrt. Grund sind neue Vorwürfe im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Fahrzeugen. Das Papier des Autobauers verlor am Dienstag zeitweise fünf Prozent an Wert und sackte auf 107 Euro. VW war damit größter Verlierer im Leitindex Dax.

          Nach Bekanntwerden der Manipulationen im September hatte die VW-Aktie ein Drittel ihres Werts eingebüßt. Nach Angaben der amerikanischen Umweltbehörde EPA von Montag soll Volkswagen auch bei 3-Liter-Motoren getrickst haben. Betroffen ist nun auch die Sportwagentochter Porsche. Sie ist zusammen mit der Oberklassetochter Audi die Ertragsstütze des Wolfsburger Mehrmarken-Konzerns. Im Visier der Umweltbehörde sind unter anderem der VW Touareg, der Porsche Cayenne sowie mehrere Luxusmodelle von Audi wie der A8 der aktuellen Modelljahre 2014 bis 2016.

          Im Kern scheint der neue Vorwurf der amerikanischen Umweltbehörde anders gelagert zu sein als im September. Während der Skandal sich an einer komplett verheimlichten Manipulationssoftware entzündete, steht nun ein sogenanntes AECD-Programm im Fokus. AECD steht für Auxiliary Emission Control Device - eine Zusatzfunktion zur Emissionskontrolle, die in einer Software enthalten sein kann. Diese Funktion ist für die EPA nun ausschlaggebend. FAZ.NET hatte schon Mitte Oktober über diese zweite Abgas-Software berichtet.

          Die Software in den nun beanstandeten Modellen VW Touareg, Porsche Cayenne und mehreren Audi-Versionen beinhalte „eine oder mehrere“ AECD-Programme, die nicht entsprechend der Vorgaben „offen gelegt, beschrieben und begründet“ und damit nicht von der EPA zugelassen worden seien, erklärte die amerikanische Umweltschutzbehörde. Die Software - zu der eben die beanstandeten AECD-Funktionen zählen - erkenne, ob das Fahrzeug auf dem Prüfstand stehe oder sich im Alltagsbetrieb befinde, und reguliere dementsprechend den Schadstoffausstoß.

          „Sollte sich der Vorwurf bewahrheiten, würde dies die Kosten für ’Dieselgate’ deutlich in die Höhe treiben“, sagte ein Händler. Zudem dürfte sich der Druck auf den neuen Volkswagen-Chef Matthias Müller erhöhen. Er war vor seinem Wechsel an die Konzernspitze Vorstandsvorsitzender von Porsche. VW erklärte zu den neuen Vorwürfen, bei den Sechszylinder-Diesel-Motoren mit drei Litern Hubraum sei keine Software installiert worden, um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern. Damit steht Aussage gegen Aussage. „Wir wollen den Sachverhalt gemeinsam mit der EPA klären“, sagte ein VW-Sprecher. Offen blieb zunächst, ob Konzernchef Müller zu Gesprächen mit der Umweltbehörde in die Vereinigten Staaten reisen wird.

          Porsche zeigte sich "überrascht". Bislang hätten alle vorliegenden Informationen ergeben, dass der Porsche Cayenne Diesel die US-Vorschriften voll erfülle, erklärte die VW-Tochter. Auch Audi wies am Dienstag die Vorwürfe zurück. "Unsere Software ist gesetzeskonform", sagte ein Sprecher. Das Programm erkenne nicht, ob ein Auto auf dem Testprüfstand stehe, um dann die Emissionsausstöße herunterzufahren. Es reagiere auf ganz unterschiedliche Situationen und passe die Motorleistung und auch den Mechanismus zur Abgasreinigung je nach Situation an.

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